„Daughters of the Dragon“ – William Andrews

Buchcover "Daughters of the Dragon - A Comfort Woman's Story" von William AndrewsErschienen 2016.

Nach all den Fantasy- und Fortsetzungsroman der letzten Zeit brauchte ich mal wieder was anderes. Gern etwas historisches aus der jüngeren Vergangenheit. Meine Wahl fiel eher zufällig auf William Andrews „Daugthers of the Dragon“, die fiktive Geschichte einer Trostfrau während der japanischen Besetzung Koreas und weiter Teile Asiens im Zweiten Weltkrieg.

Die junge Amerikanerin Anna Carlson macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern in Korea. Ihre Mutter findet sie nicht, allerdings ihre Großmutter Hong Jae-hee, die ihr ihre schockierende Lebensgeschichte erzählt. Mit 14 Jahren wird sie von den Japanern verschleppt und muss bis zum Ende des Krieges als eine Trostfrau, einer Sexsklavin, für die Soldaten in Dongfeng dienen. Nur mit viel Glück entkommt sie ihrer Ermordung bevor die Russen den Ort einnehmen. Beschämt über ihre tausendfache Vergewaltigung und Misshandlung durch die japanischen Besatzer flieht sie in ihre Heimat nördlich von Pjöngjang in der Hoffnung ihre Eltern lebend zu finden. Vergeblich. Fortan bemüht sie sich ihre Vergangenheit für sich zu behalten, aus Angst vor Repressalien und aus Scham. Ein gutes Ohr für Sprachen habend, lernt sie schnell Englisch und arbeitet als Übersetzerin für den kommunistischen Norden. Sie flieht in den Süden, nachdem ihr Geliebter verschleppt wird und die Unterdrückung aller Andersdenkenden immer weiter zunimmt. Als sie scheinbar endlich dem Elend nach dem Bürgerkrieg entkommt, erkennt sie, dass sie nicht länger über ihre Vergangenheit als Trostfrau schweigen kann – und ein langer Weg um Anerkennung beginnt.

Andrews Charaktere sind zwar fiktiv, der Handlung einiges an Spannung durch einen geheimnisvollen Kamm, einem Familienerbstück, hinzugegeben, aber die Tatsache der Trostfrauen und der Kampf für die Anerkennung der Gräueltaten, die ihnen angetan wurden, sind real. Erst nach Jahrzehnten konnten sie in ihrer Heimat offen über den ihnen angetanen Vergewaltigungen sprechen und tragen mittlerweile den Ehrentitel Großmutter. Auf eine offizielle Entschuldigung und Entschädigung warteten die Frauen weitere Jahrzehnte: Im Dezember 2015 gab es ein Abkommen zwischen Südkorea und Japan, dass den Streit endgültig beenden sollte.

Ein Amerikaner, der über ein koreanisches Leben schreibt, dazu noch das einer Frau, wirkte auf mich im ersten Moment etwas befremdlich, aber die Geschichte ist sehr gut recherchiert und detailliert. Seit der Adoption seiner Tochter interessiert sich Andrews für koreanische Geschichte, was man zumindest als Außenstehender merkt. Und das ein Mann „Daughters of the Dragon“ geschrieben hat, habe ich im Laufe des Lesens wirklich voll und ganz vergessen. Der Schreibstil ist zwar nicht preisverdächtig, aber Andrews schafft es dennoch den Leser ganz langsam in diese brutale und schockierende Lebensgeschichte hinzuziehen. Hat einen erst einmal der Bann erwischt, dann lässt sich „Daugthers of the Dragon“ nur noch sehr schwer weglegen.

Fazit: 4,5 von 5 Sternen. Einfach lesenswert um der Geschichte Willen. Damit es nicht vergessen wird.

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„The Invention of Wings“ – Sue Monk Kidd

Buchcover "The Invention of Wings" von Sue Monk KiddErschienen 2014.

Ein mit lavendelfarbenden Schleifen geschmücktes Sklavenmädchen als Geschenk zum 11. Geburtstag: Sarah Grimké kann das Geschenk ihrer Eltern einfach nicht annehmen. Mit ihrer Zurückweisung beginnt eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die die Welt verändert. Basierend auf dem Leben der beiden Schwestern Sarah und Angelina Grimké, zeichnet Sue Monk Kidd den Weg der beiden Frauen von Töchtern eines reichen Plantagenbesitzers und Sklavenhalters zu den größten Kritikern der Sklaverei und Anwältinnen für die Gleichberechtigung von Frauen – egal, welcher Hautfarbe – nach. Ebenso erzählt sie die Geschichte von Hetty Handful Grimké, jenem Sklavenmädchen, dass Sarah einst als Zofe zu ihrem Geburtstag geschenkt wurde. Zwischen den beiden Mädchen entsteht eine tiefe Freundschaft, die mal stärker, mal verborgener ist, aber ein Leben hält. Sarah lehrt Handful – entgegen den damaligen Gesetzen in Charleston – Lesen und Schreiben. Ihre einzige Möglichkeit dem Mädchen Freiheit zu schenken.

Sue Monk Kidds dritter Roman ist ein unglaublich tiefgründiger, dichter Roman. Sie gibt zwei Frauen eine Stimme zu einer Zeit, als ihnen das Sprechen untersagt war, ob frei oder Sklave. Beide Frauen versuchen das Leben so nicht hinzunehmen – die genommene Freiheit einerseits, das verweigerte Recht, zu werden was man möchte, andererseits –  und kämpfen gegen ihre vorgesehene Rolle im Rahmen ihrer Möglichkeit an. Beide entwickeln Flügel, mit denen sie ihrem jeweiligen Gefängnis entfliehen. Fasziniert hat mich vor allem Handful, die von ihrer Mutter zur Näherin ausgebildet wird und afrikanisches Quilten erlernt. Trotz all der Grausamkeiten, die ihr widerfahren, gibt sie nicht auf und schmiedet Pläne für ihre Freiheit und rebelliert im Kleinen.

„It seemed to me she had invented her wings not so much in spite of these things, but because of them. What compelled me as much as her life as a reformer was her life as a woman. How did she become who she was?“, sagt Sue Monk Kidd zur Entstehungsgeschichte ihres Romans über Sarah Grimké. Während Sarah eine reale hsitorische Person ist, ist Hetty Handful reine Fiktion. Allein die Tatsache, das Sarah Grimké als junges Mädchen eine Sklavin namens Hetty als Zofe bekommen hat, ihr sehr nahe stand und Lesen und Schreiben lehrte, wofür beide bestraft wurden, ist real. Während die echte Hetty kurze Zeit danach aus unbekannten Gründen starb, erweckte Sue Monk Kidd ihre Hetty zu neuem Leben.

Fazit: Absolut lesenswert und sicherlich ein American classic to be. Der Aspekt der African American Quilts hat mich übrigens zusätzlich in den Bann gezogen.

 

„Love Letters to the Dead“ – Ava Dellaira

Buchcover "Love Letters to the Dead" von Ava DellairaErschienen 2014.

Ein Brief an eine tote Persönlichkeit. Irgendeine. Aus einer Hausaufgabe für den Englisch-Unterricht entwickelt sich für Laurel ein Ventil, über ihre Gefühle zu sprechen. Wie es ist, neu an der High School zu sein und niemanden zu kennen, Freunde zu finden, sich das erste Mal zu verlieben. Und mit dem viel zu frühen Tod ihrer großen Schwester klar zu kommen, für den sich Laurel schuldig fühlt, und dem anschließenden Auseinanderbrechen ihrer Familie. Sie schreibt Briefe an Kurt Cobain, River Phoenix, Judy Garland, Amy Winehouse, Amelia Earhart, John Keats, … Wie Freunden, denen sie alles erzählen kann, während sie sich vor der Außenwelt verschließt. Langsam, über die Monate hilft ihr das Schreiben der Briefe sich nach außen öffnen zu können, ihre Gefühle los- und zuzulassen. Alle. Und langsam zu heilen.

Ava Dellairas Debüt ist eine traurige, aber auch kraftgebende „Coming of Age“-Geschichte, die ein versöhnliches, positives Ende hat. Ich mag ihren vorsichtigen, oft gar poetischen Schreibstil. Die gewählte Erzählform in Briefen zeigt dem Leser die Protagonistin in all ihrer Verletzlichkeit, Zartheit und Zerrissenheit, ihre Wut und ihre Angst. Und ich mag die kleinen Details und Anekdoten über die verstorbenen Adressaten, die in Laurels Briefen eingearbeitet sind.

Fazit: 5/5 Sternen. Ein wunderbar zartes Buch, sehr gut geschrieben und mutmachend.

„The Valley (Book 1)“ – Helen Bryan

Buchcover, "The Valley" von Helen BryanErschienen 2016, Start einer Trilogie, 607 Seiten.

1754, die Honorable Miss Sophia Grafton ist nach dem Tod ihres Vaters, dem Vicount Grafton mittellos. Der Besitz ist hoch verschuldet und muss zur Tilgung der Schulden veräußert werden. Einzig geblieben ist ihr der Besitz „Wildwood“ an der äußersten Grenzen der britischen Kolonie in Virginia. Und so macht sie sich auf, ihr Land für sich zu beanspruchen. Nichts ahnend all der Gefahren und Entbehrungen, die auf der Reise zu ihrem Tal, auf sie und ihre Begleiter, die sich ihr auf ihrem Weg anschließen, warten.

Durch einzelne Szenen und Ereignisse führt uns Helen Bryan durch die Geschichte ihrer Vorfahren bis in das Jahr 1837. Hauptfigur ist Sophia Grafton. Ihre Geschichte beginnt an den Höfen und in den Gesellschaften der europäischen Königshäuser und nicht zu letzt in England, ihrer Heimat, wo sie als junges Mädchen in die Gesellschaft eingeführt wird. Nach einer stürmischen Überfahrt trifft sie in Williamsburg, Virginia, auf ihren Vormund, einem grausamen Trunkenbold und Plantagenbesitzer. Durch eine List kann sie ihm zusammen mit ein paar von ihr befreiten Sklaven entkommen und gemeinsam mit drei geflohenen Strafarbeitern und zwei französischen Spionen begeben sie sich auf den langen Weg zum ihrem Land. Es werden Familienbande geknüpft und das Tal im äußersten Winkel Virginias wird zum neuen Zuhause – auch wenn ihre Heimat immer England bleibt.

Nach den ersten Kapiteln, in denen für mich sehr langatmig Sophias Leben in England beschrieben wird, hat mich die Geschichte um diese mutige und zähe Frau und all die anderen Protagonisten gepackt. Ich musste einfach weiterlesen. Es ist eine gute Geschichte, die flüssig geschrieben ist und sich zügig weg lesen lässt.

Dennoch habe ich so ein paar Anmerkungen und Dinge, die mich stören. In diesem kleinen Tal entstand – zumindest nach dieser Erzählungen – ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen. Ehemalige Sklaven lebten Seite an Seite mit den andern Siedlern aus allen Teilen Europas und es gab Mixehen. Was ich für diese Zeit doch wirklich sehr außergewöhnlich finde. Und da komme ich dann auch doch ins Grübeln. War das wirklich so? Oder ist das eher eine Art Schönreden der eigenen Familiengeschichte?

Was mich ebenfalls nachträglich irritiert sind die Zeiten. Irgendwie scheint es mir, als wären die Kinder mal schneller und mal langsamer gealtert. (Aber ich war dann jetzt auch nicht so pedantisch, das dann nochmal genau nachzuprüfen). Außerdem hätte ich es schöner gefunden, wenn die Erzählung mit dem Tod Sophias oder dann zumindest mit dem ihres Ehemannes ein paar Jahre später geendet hätte. Der Zeitsprung von rund knapp 40 Jahren am Ende und der immer schnelleren Abfolge von Einführungen neuer Personen hat mich etwas aus der Geschichte geworfen, was ich schade fand. Helen Bryan versucht zwar immer die Stammbäume und einzelnen familiären Verbindungen deutlich zu machen, aber bei der stetig wachsenden Zahl der Talbewohner wird es dennoch unübersichtlich. Vielleicht erleichtert das gewählte Ende aber auch den Einstieg in den Folgeband. Wir werden es sehen, wobei ich noch unsicher bin, ob ich der Reihe weiterflogen werde.

Fazit: 3,5/5 Sterne. Ich mag die Geschichte und die Einblicke in das Leben der frühen amerikanischen Siedlungsgeschichte. Allerdings haben mich auch zu viele Punkte irritiert.

„Mortal Instruments 1-3“ – Cassandra Clare

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„City of Bones“, „City of Ashes“ und „City of Glass“, erschienen zwischen 2007 und 2009.

Schon lange habe ich überlegt, ob ich ein wenig in die Shadowhunter-Welt eintauche und einmal die Moral Instruments-Reihe, oder auch hierzulande besser bekannt als Chroniken der Unterwelt, von Cassandra Clare lese. Tja, und nun war der Zeitpunkt gekommen und ich habe es gewagt. Wobei, das erste Buch hatte ich schon fast 3 Monate auf meinem Kindle, bin aber einfach nicht über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Hat mich einfach nicht gepackt. Vor zwei Wochen habe ich es dann nochmal versucht. Und was soll ich sagen. Ich habe dann mal in den letzten beiden Wochen so ganz nebenbei die ersten drei Bände mit jeweils rund 500 Seiten durchgelesen.

Die Geschichte um die noch 15-jährige Clary, die auf dramatische Weise erfährt, dass sie ein Shadowhunter ist, die von Menschen und Engeln abstammen und gegen Dämonen kämpfen, ihren besten Freund Simon und die drei Shadowhunter Jace, Alec und Isabelle hat mich wirklich fasziniert.Vor der Kulisse New Yorks entspinnt Cassandra Clare eine fantastische Welt, in denen Vampire, Werwölfe, Feen, Hexenmeister, Dämonen und Nephilim ungeahnt vom Rest der Menschheit um das Fortbestehen der Welt ringen und ihre ganz eigenen Kämpfe ausfechten. Clare kann sehr gut beschreiben und die Welt entsteht sehr detailliert vorm inneren Auge, lässt aber auch noch großen Raum für eigene Interpretationen.

Der Kampf zwischen Gut und Böse und all den Grauschattierungen dazwischen setzt sie sehr gut in Szene. So macht sie beispielsweise Jace inneren Konflikt, seinen Vater Valentin, der mit Hilfe der Dämonen die Shadowhunter reformieren will und vor nichts zurückschreckt, zu hassen, aber ihn auch gleichzeitig zu lieben, da er sein Vater ist, sehr deutlich. Und ich muss gestehen, ich mochte auch die Teenie-Liebesgeschichte zwischen Clary und Jace, die eigentlich nicht sein darf und die neben dem Kampf gegen Valentin die zweite treibende Kraft in der Geschichte ist, sehr. Gut, manchmal war es mir echt ein wenig zu viel Teenie (ich habe es nach dem zehnten Mal nun wirklich kapiert, was für tolle Augen Jace hat…), aber damit muss man wohl rechnen, wenn man mindestens doppelt so alt ist und einen Jugendroman liest. 😉

Die Frage ist nur, lese ich noch weiter? Es gibt ja noch drei weitere Bände in der Mortal Instruments-Reihe und noch zig andere, die in der von Clare geschaffenen Welt spielen. Hm, vom jetzigen Standpunkt auf betrachtet, sage ich Nein. Die Reihe war ursprünglich als Trilogie geplant und damit kommt es in „City of Glass“ zu einem für mich versöhnlichen Abschluss. Es sind nicht zu viele Fragen offen geblieben und es gibt zu dem ein Happy End. Und das finde ich genau so schön wie es ist. Es lässt viel Raum fürs Weiterspinnen, wenn man mag, gab mir aber auch die Möglichkeit nun Abschied von den Charakteren zunehmen und weiterzuziehen. Die weitere drei Bände zu lesen, schließt sich für mich gerade einfach nicht automatisch an, ganz im Gegensatz zum Verlangen zwischen Buch 1 und 2 sowie 2 und 3.

Fazit: ***** Absolute Leseempfehlung.