„The Valley (Book 1)“ – Helen Bryan

Buchcover, "The Valley" von Helen BryanErschienen 2016, Start einer Trilogie, 607 Seiten.

1754, die Honorable Miss Sophia Grafton ist nach dem Tod ihres Vaters, dem Vicount Grafton mittellos. Der Besitz ist hoch verschuldet und muss zur Tilgung der Schulden veräußert werden. Einzig geblieben ist ihr der Besitz „Wildwood“ an der äußersten Grenzen der britischen Kolonie in Virginia. Und so macht sie sich auf, ihr Land für sich zu beanspruchen. Nichts ahnend all der Gefahren und Entbehrungen, die auf der Reise zu ihrem Tal, auf sie und ihre Begleiter, die sich ihr auf ihrem Weg anschließen, warten.

Durch einzelne Szenen und Ereignisse führt uns Helen Bryan durch die Geschichte ihrer Vorfahren bis in das Jahr 1837. Hauptfigur ist Sophia Grafton. Ihre Geschichte beginnt an den Höfen und in den Gesellschaften der europäischen Königshäuser und nicht zu letzt in England, ihrer Heimat, wo sie als junges Mädchen in die Gesellschaft eingeführt wird. Nach einer stürmischen Überfahrt trifft sie in Williamsburg, Virginia, auf ihren Vormund, einem grausamen Trunkenbold und Plantagenbesitzer. Durch eine List kann sie ihm zusammen mit ein paar von ihr befreiten Sklaven entkommen und gemeinsam mit drei geflohenen Strafarbeitern und zwei französischen Spionen begeben sie sich auf den langen Weg zum ihrem Land. Es werden Familienbande geknüpft und das Tal im äußersten Winkel Virginias wird zum neuen Zuhause – auch wenn ihre Heimat immer England bleibt.

Nach den ersten Kapiteln, in denen für mich sehr langatmig Sophias Leben in England beschrieben wird, hat mich die Geschichte um diese mutige und zähe Frau und all die anderen Protagonisten gepackt. Ich musste einfach weiterlesen. Es ist eine gute Geschichte, die flüssig geschrieben ist und sich zügig weg lesen lässt.

Dennoch habe ich so ein paar Anmerkungen und Dinge, die mich stören. In diesem kleinen Tal entstand – zumindest nach dieser Erzählungen – ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen. Ehemalige Sklaven lebten Seite an Seite mit den andern Siedlern aus allen Teilen Europas und es gab Mixehen. Was ich für diese Zeit doch wirklich sehr außergewöhnlich finde. Und da komme ich dann auch doch ins Grübeln. War das wirklich so? Oder ist das eher eine Art Schönreden der eigenen Familiengeschichte?

Was mich ebenfalls nachträglich irritiert sind die Zeiten. Irgendwie scheint es mir, als wären die Kinder mal schneller und mal langsamer gealtert. (Aber ich war dann jetzt auch nicht so pedantisch, das dann nochmal genau nachzuprüfen). Außerdem hätte ich es schöner gefunden, wenn die Erzählung mit dem Tod Sophias oder dann zumindest mit dem ihres Ehemannes ein paar Jahre später geendet hätte. Der Zeitsprung von rund knapp 40 Jahren am Ende und der immer schnelleren Abfolge von Einführungen neuer Personen hat mich etwas aus der Geschichte geworfen, was ich schade fand. Helen Bryan versucht zwar immer die Stammbäume und einzelnen familiären Verbindungen deutlich zu machen, aber bei der stetig wachsenden Zahl der Talbewohner wird es dennoch unübersichtlich. Vielleicht erleichtert das gewählte Ende aber auch den Einstieg in den Folgeband. Wir werden es sehen, wobei ich noch unsicher bin, ob ich der Reihe weiterflogen werde.

Fazit: 3,5/5 Sterne. Ich mag die Geschichte und die Einblicke in das Leben der frühen amerikanischen Siedlungsgeschichte. Allerdings haben mich auch zu viele Punkte irritiert.