„Thorn“ – Intisar Khanani

akhimo, Buchcover "Thorn" von Intisar KhananiErschienen 2014.

Ein altes Märchen, neu interpretiert.

Als Prinzessin eines abgeschiedenen Königreichs wird Alyrra aus politischem Kalkül ihrer Mutter mit Kestrin, Thronfolger eines reichen und mächtigen Königreichs, verlobt. Auch wenn sie der Ehe in dem fernen Land mit Angst entgegen blickt, ist sie doch froh ihrem alten Leben mit einem gewalttätigen Bruder und der Gleichgültigkeit des Hofstaats zu entkommen. Aber mit der Verlobung hat sie auch mächtige Feinde dazu gewonnen. Zu mächtige. Auf ihrer Reise zu ihrem neuen Zuhause wird sie betrogen und zu einem Rollentausch mit ihrer Hofdame gezwungen. Und auch wenn sie wütend ist und sich um die Sicherheit ihres unbekannten Verlobten sorgt, ist Alyrra sich nicht so sicher, ob sie ihr altes Leben wieder haben möchte. Zum ersten Mal hat sie eine Wahl, auch wenn das bedeutet, ein einfaches, entbehrliches Leben zu führen.

Intisar Khanani nimmt das alte Märchen der Gänsemagd und macht es zu ihrer eigenen Story mit Wendungen. Versetzt in ein mittelalterliches fremdes Land kämpft Prinzessin Alyrra als Gänsemagd Thorn nur widerstrebend für das, was ihr gehört, akzeptiert Mühsal, findet unerwartete Freundschaften und entdeckt eine neue Welt für sie. Khanani gibt dem Märchen mehr Tiefe und liebenswerte und interessante Charaktere, mehr Magie und dunklere, realistischere Seiten. Diese Gänsemagd-Geschichte ist wesentlich düsterer als das eigentliche Märchen.

Fazit: 5 von 5 Sternen. Ein sehr gutes Lesevergnügen.

 

„Mortal Instruments 1-3“ – Cassandra Clare

CityOfBones_Clare  CityOfAshes_Clare  CityOfGlass_Clare

„City of Bones“, „City of Ashes“ und „City of Glass“, erschienen zwischen 2007 und 2009.

Schon lange habe ich überlegt, ob ich ein wenig in die Shadowhunter-Welt eintauche und einmal die Moral Instruments-Reihe, oder auch hierzulande besser bekannt als Chroniken der Unterwelt, von Cassandra Clare lese. Tja, und nun war der Zeitpunkt gekommen und ich habe es gewagt. Wobei, das erste Buch hatte ich schon fast 3 Monate auf meinem Kindle, bin aber einfach nicht über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Hat mich einfach nicht gepackt. Vor zwei Wochen habe ich es dann nochmal versucht. Und was soll ich sagen. Ich habe dann mal in den letzten beiden Wochen so ganz nebenbei die ersten drei Bände mit jeweils rund 500 Seiten durchgelesen.

Die Geschichte um die noch 15-jährige Clary, die auf dramatische Weise erfährt, dass sie ein Shadowhunter ist, die von Menschen und Engeln abstammen und gegen Dämonen kämpfen, ihren besten Freund Simon und die drei Shadowhunter Jace, Alec und Isabelle hat mich wirklich fasziniert.Vor der Kulisse New Yorks entspinnt Cassandra Clare eine fantastische Welt, in denen Vampire, Werwölfe, Feen, Hexenmeister, Dämonen und Nephilim ungeahnt vom Rest der Menschheit um das Fortbestehen der Welt ringen und ihre ganz eigenen Kämpfe ausfechten. Clare kann sehr gut beschreiben und die Welt entsteht sehr detailliert vorm inneren Auge, lässt aber auch noch großen Raum für eigene Interpretationen.

Der Kampf zwischen Gut und Böse und all den Grauschattierungen dazwischen setzt sie sehr gut in Szene. So macht sie beispielsweise Jace inneren Konflikt, seinen Vater Valentin, der mit Hilfe der Dämonen die Shadowhunter reformieren will und vor nichts zurückschreckt, zu hassen, aber ihn auch gleichzeitig zu lieben, da er sein Vater ist, sehr deutlich. Und ich muss gestehen, ich mochte auch die Teenie-Liebesgeschichte zwischen Clary und Jace, die eigentlich nicht sein darf und die neben dem Kampf gegen Valentin die zweite treibende Kraft in der Geschichte ist, sehr. Gut, manchmal war es mir echt ein wenig zu viel Teenie (ich habe es nach dem zehnten Mal nun wirklich kapiert, was für tolle Augen Jace hat…), aber damit muss man wohl rechnen, wenn man mindestens doppelt so alt ist und einen Jugendroman liest. 😉

Die Frage ist nur, lese ich noch weiter? Es gibt ja noch drei weitere Bände in der Mortal Instruments-Reihe und noch zig andere, die in der von Clare geschaffenen Welt spielen. Hm, vom jetzigen Standpunkt auf betrachtet, sage ich Nein. Die Reihe war ursprünglich als Trilogie geplant und damit kommt es in „City of Glass“ zu einem für mich versöhnlichen Abschluss. Es sind nicht zu viele Fragen offen geblieben und es gibt zu dem ein Happy End. Und das finde ich genau so schön wie es ist. Es lässt viel Raum fürs Weiterspinnen, wenn man mag, gab mir aber auch die Möglichkeit nun Abschied von den Charakteren zunehmen und weiterzuziehen. Die weitere drei Bände zu lesen, schließt sich für mich gerade einfach nicht automatisch an, ganz im Gegensatz zum Verlangen zwischen Buch 1 und 2 sowie 2 und 3.

Fazit: ***** Absolute Leseempfehlung.

„The Hanging Tree“ – Ben Aaronovitch

Buchcover "The Hanging Tree" von Ben AaronovitchA Rivers of London Novel, Band 6. Erschienen 2016.

Endlich geht es weiter mit PC Peter Grant. Wurde aber auch Zeit – vor allem, nachdem der vorherige Band in Sachen Faceless Man gefühlt eine Nullnummer war. Das wird in Band 6 der „Rivers of London“-Reihe dafür nachgeholt: Wir erfahren nicht nur mehr über den Verbleib von Lesley May und welche Rolle der Faceless Man spielt, sondern auch über die Flussgottheiten und Magie jenseits des Folly. Und mittendrin wie immer die Stadt London, die doch eigentlich die heimliche Hauptrolle der Reihe hat.

Was es bedeutet, einem Fluss einen Gefallen zu schulden, erfährt Peter Grant sehr schnell, als eine exklusive Party mit einer Drogentoten endet und Lady Ty’s Tochter nicht nur zu den Gästen gehört. Normalerweise gehören derartige Fälle nicht zu seinen Aufgaben, aber um die Tochter aus allem rauszuhalten, mischt er sich ein. Nur um all zu schnell mitten in einer Falcon-Angelegenheit zu stecken. Magische Artefakte sollen verkauft werden, der Kreis der Praktizierenden wächst – auch über die Ländergrenzen hinweg – und neue Verwicklungen zeichnen sich ab.

Wie auch in den vorherigen Bänden, braucht es seine Zeit, bis die Geschichte im Flow ist und vorangeht. Dafür ist es dann mal wieder schwer, das Buch zur Seite zu legen. Mit Wortwitz, architektonischen Details Londoner Baugeschichte und historischen Anekdoten würzt Aaronovitch Peter Grants Jagd nach dem Faceless Man, der plötzlich mehr mit der Drogentoten zu tun hat, als je gedacht. Das ruhige Dahinplätschern des 5. Bandes ist für mich damit fast vergessen. Tiefs hat ja mal jeder.

Ergänzend zu der Reihe gibt es übrigens mittlerweile auch Graphic Novels, die zwischen den einzelnen Bänden spielen und neue Charaktere eingeführt haben. Auch wenn ich die Novels nicht gelesen habe, fügen sich die Rollen für mich sehr gut in die Geschichten ein und ich hatte nicht das Gefühl, großartig etwas verpasst zu haben.

Und wie lange müssen wir nun auf Band 7 warten? Und klärt sich dann alles auf? Ich bin nach diesem Band auf jeden Fall nach wie vor neugierig.

„The Changeling Series – 1 und 2“ – James Fahy

Buchcover "The Drowned Tomb" von James Fahy, erschienen 2016Buchcover "Isle of Wind" von James Fahy, erschienen 2015„Isle of Winds (Book 1)“ und „The Drowned Tomb (Book 2)“, erschienen 2015 und 2016.

Ach ja, und wieder heißt es warten auf das nächste Buch der Reihe. Hatte ich nicht erst bei der letzten noch nicht abgeschlossenen Buchreihe – The Great Library – zumindest gedacht, dass ich nie wieder eine Serie anfange, bevor nicht auch der letzte Band erschienen ist. Ich mag dieses Warten nicht. Ich möchte einfach sofort wissen wie es weiter geht… Andererseits, das Warten hat auch etwas für sich. Solange es nicht im Folgeband enttäuscht wird.

Was mich dieses Mal gepackt hat? Wieder eine Young Adult Fantasy Reihe: The Changeling Series von James Fahy. Erschienen sind bisher zwei Bände und ich habe sie alle verschlungen. Und das von der ersten Seite auf an. Der Anfang in all seiner Merkwürdigkeit (schließlich wird man einfach so in eine fremde Welt geschubst), hat mich fasziniert.

Robin Fellows ist nicht, wer er glaubt zu sein. Als seine Großmutter stirbt, zieht der Zwölfjährige zu seiner Großtante nach Erlking, von der er nie zuvor gehört hat. Kaum angekommen, erfährt er von seiner wahren Herkunft. Robin ist der letzte Changeling, ein Wechselbalg, und entstammt einer einflussreichen, alten Feen-Familie. Zukünftig wird er auf dem großzügigen Landsitz von einem Tutor, einem Satyr, unterrichtet in Magie – den sieben Tower of the Arcania – und der Geschichte Netherworldes, die Welt der Feen und anderen Fabelwesen. Das Netherworlde seiner Eltern gibt es aber nicht mehr: Die Feen, einst Herrscher über dieses Welt, sind in einem unerbittlichen Krieg beinahe vernichtet wurden. Stattdessen hat Lady Eris eine Herrschaft des Terrors errichtet. Die Prophezeiung sagt aber das Ende ihrer Macht durch den Scion hervor…

James Fahy kann Geschichten erzählen und vor dem inneren Auge lebendig werden lassen. Detailreich entsteht die Welt, in der Robin Fellows lebt. Erlking, der mächtige Landsitz mit all seinen verborgenen Seiten, die Netherworlde, aber auch die einzelnen Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und jeder hat seine eigene Stimme. Trotzdem  oder gerade deswegen verliert die Geschichte nicht an Drive. Es geht mit jeder Seite voran und etwas neues will entdeckt werden. Und auch das Ende hat mich wirklich überrascht.

Band 2 kann leider nicht ganz mithalten mit der Erwartung, die Band 1 geschaffen hat, macht aber trotzdem eine Menge Spaß beim Lesen. Es fiel mir aber wesentlich leichter das Buch wegzulegen, zumindest in der ersten Hälfte, die doch etwas schleppend vorangeht. Dafür entschädigt das Ende, das mit einer unerwarteten Wendung daher kommt. Das hat mich wiederum sehr überrascht, hatte ich doch gemeint ein Schema zu erkennen. Was natürlich gegeben ist, da sich bisher jedes Buch einem der sieben Arcania-Tower widmet. Aber es lässt wohl dennoch einiges an Kreuzungen und Abweichungen zu. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf den nächsten Teil.

 

„Followed by Frost“ – Charlie N. Holmberg

Buchcover "Followed by Frost" Charlie N. HolbergErscheinungsjahr 2015

Als Smitha – von sich eingenommen, hochnäsig und eitel – dem falschen Mann einen äußerst unfreundlichen Korb gibt, verändert sich ihr Leben schlagartig. Belegt mit einem Fluch wird sie so kalt wie ihr Herz, ewiger Winter und der Tod folgen ihr fortan auf jeden Schritt. Einsam verbringt sie ihr Leben in den Bergen fernab der Zivilisation, ständig auf der Flucht. Bis ein von Dürre geplagtes Land in ihrem Fluch einen Segen für sich sieht.

„Followed by Frost“ ist ein wunderbares kleines Märchen, eine Geschichte über das innere Wachsen und über die Stärke des eigenen Willens. Erzählt aus der Sicht der Protagonistin erhält der Leser tiefe Einblicke in einen Charakter, der zunächst alles andere als liebenswert ist. Die Erzählung ist langsam und unaufgeregt, aber nicht weniger spannend und fesselnd. Das Ende ist vorhersehbar, der Weg dorthin allerdings alles andere als klassisch.

Im Gegensatz zu der Papiermagier-Reihe hat Holmberg Smithas Geschichte viel besser ausgearbeitet und die Erzählung wirkt in sich geschlossener, stringenter. Es fügte sich einfach alles zusammen.

„I turned up the flame in the oil lamp. ‚Why else would one read unbelievable stories but in hopes go believing? I always saw novels as an outlet for which the mind can escape this world, not be tethered to it.'“