Prinzessin besuchen auf der Evenburg (Leer)

Ein regnerisches Wochenende in Leer und umzu

Okay, es gibt und gab zwar weder Prinzessinnen noch Ritter auf der Evenburg, einem Wasserschloss aus dem 19. Jahrhundert – auch wenn der große und der kleine Sonnenschein der Meinung sind – aber einen Besuch ist die prächtige Anlage dennoch wert. Vor allem, wenn dann endlich die Wolkendecke aufreißt und sich die Sonne durchkämpft. Ein Besuch auf dem liebevoll angelegten Spielplatz mit Kletterparcours, Sandkasten, Vogelnestschaukel und Ziegenkarren mitten im Küchengarten des Schlossparks macht so nämlich noch viel mehr Spaß. Und so wird dann ein vermeintlich eher uninteressanter Park- und Museumsbesuch für die Kleinen auch noch zu einem spannenden Erlebnis.

Das Ensemble bestehend aus einer Vorburg aus dem 18. Jahrhundert, in dem heute das Café untergebracht ist, dem Wasserschloss, dessen Vorgänger bereits Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde, und einem englischen Landschaftspark in Leer-Loga lädt zu einem gemütlichen Spaziergang und Bummel durch die herrschaftlichen Räume ein. Neben Einblicken in das Leben der Adelsfamilie von Wedel im 19. Jahrhundert erwartet die Besucher des Schlosses ein Zentrum der Gartenkultur. Seit 1975 ist das Schloss Evenburg in Besitz des Landkreis Leer. 2004 und 2011 wurde es aufwendig renoviert und in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt. Seit 2014 ist Evenburg mit seiner Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich.

Aber Leer hat noch viel mehr für einen Tages- oder Wochenendausflug für Familien zu bieten. Die Alt- und Innenstadt lädt zum Bummeln ein, ebenso wie die Hafenpromenade, an der beispielsweise auch ein kleiner Spielplatz liegt. Das Teemuseum ist ebenfalls immer einen Besuch wert, sowie das Miniaturland. Und von Leer ist es nur noch einen Katzensprung in die Niederlande z.B. nach Winschoten, einer kleinen Kreisstadt mit einer einladenden Fußgängerzone mit vielen kleinen Geschäften (gut parken könnt ihr übrigens an der Venne), dem Rosarium und natürlich Supermärkten, in denen man sich wunderbar mit Vla (eine Art Pudding) und Hagelslag (Streusel) in einer unglaublichen Vielfalt eindecken kann. Unsere Eiskreationen werden demnächst zumindest sehr bunt. 😉 Tja, und wenn das Wetter nicht so mitspielt: Es gibt auch einen wirklich schönen und günstigen Indoor-Spielplatz in Leer, die Spielfarm.

(Mehr über Leer, Sehenswürdigen, Unterkünfte und die Evenburg erfahrt Ihr auf den Seiten der Stadt und des Landkreises.)

„Time and Regret“ – M. K. Tod

Buch-Cover "Time and Regret" von M.K. TodErschienen 2016.

Weltkriegsgeschichte, Liebesgeschichte, Familiengeschichte und dazu noch ein bedrohliches Rätsel: M. K. Tods „Time and Regret“ bietet einiges. Grace Hansen, frisch geschieden und mit ihrer Zukunft hadernd, findet beim Aufräumen des Dachbodens eine Box ihres Großvaters, die seine Tagebücher aus dem ersten Weltkrieg, ein paar Abzeichen, ein Foto und eine kryptische Aufforderung an Grace enthält. Er hätte sie nie nehmen sollen, lese aufmerksam, bittet er sie. Aber was hätte er nie nehmen sollen? Grace begibt sich auf Spurensuche, die sie schließlich zu den Gedenkstätten in Frankreich führt. Während sie von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz fährt, merkt sie, dass sie verfolgt wird. Aber warum? Und auch eine Antwort auf das „Was“ ihres Großvaters findet sie nicht. Dafür allerdings Freundschaft und Zuneigung zu einem Franzosen mit dem sie mehr verbindet, als sie je geahnt hätte.

„Time and Regret“ ist aus zwei Perspektiven erzählt. Aus Graces Sicht, die 1991 versucht das Rätsel ihres Großvaters Martin zu lösen, und aus der Sicht des jungen Kanadier Martin, der sich 1915 verpflichtet und an der Somme kämpft. Verbindet wirken die Tagebucheinträge, die Grace über 70 Jahre später ein ganz neuen Blick auf ihren Großvater geben, bei dem sie aufgewachsen ist. Dafür hat Tod einiges recherchiert und viele Informationen über den Verlauf des 1. Weltkrieges an der Westfront in ihre Story eingebracht. Martin wirkt dadurch sehr authentisch.

Mir ist Grace während des Lesens sehr ans Herz gewachsen, die Story gefiel mir ebenfalls sehr gut. Aber der letzte Funke fehlte. Ich konnte das Buch wirklich kurz vor Ende noch gut weglegen, hatte nicht das Gefühl, dass ich es jetzt unbedingt durchlesen müsste. Was auch daran lag, dass das der Climax zum Schluss sich mir doch recht schnell erklärte. Die Auflösung konnte also auch noch bis zum nächsten Abend warten. Außerdem musste ich im Nachhinein nicht lange über die Charaktere lange grübeln. Die Geschichte war zu Ende und für mich nichts mehr offen.

Fazit: **** Ein solides Lesevergnügen mit Mehrwert in Form von Allgemeinbildung.