„Love Letters to the Dead“ – Ava Dellaira

Buchcover "Love Letters to the Dead" von Ava DellairaErschienen 2014.

Ein Brief an eine tote Persönlichkeit. Irgendeine. Aus einer Hausaufgabe für den Englisch-Unterricht entwickelt sich für Laurel ein Ventil, über ihre Gefühle zu sprechen. Wie es ist, neu an der High School zu sein und niemanden zu kennen, Freunde zu finden, sich das erste Mal zu verlieben. Und mit dem viel zu frühen Tod ihrer großen Schwester klar zu kommen, für den sich Laurel schuldig fühlt, und dem anschließenden Auseinanderbrechen ihrer Familie. Sie schreibt Briefe an Kurt Cobain, River Phoenix, Judy Garland, Amy Winehouse, Amelia Earhart, John Keats, … Wie Freunden, denen sie alles erzählen kann, während sie sich vor der Außenwelt verschließt. Langsam, über die Monate hilft ihr das Schreiben der Briefe sich nach außen öffnen zu können, ihre Gefühle los- und zuzulassen. Alle. Und langsam zu heilen.

Ava Dellairas Debüt ist eine traurige, aber auch kraftgebende „Coming of Age“-Geschichte, die ein versöhnliches, positives Ende hat. Ich mag ihren vorsichtigen, oft gar poetischen Schreibstil. Die gewählte Erzählform in Briefen zeigt dem Leser die Protagonistin in all ihrer Verletzlichkeit, Zartheit und Zerrissenheit, ihre Wut und ihre Angst. Und ich mag die kleinen Details und Anekdoten über die verstorbenen Adressaten, die in Laurels Briefen eingearbeitet sind.

Fazit: 5/5 Sternen. Ein wunderbar zartes Buch, sehr gut geschrieben und mutmachend.

Resteverwertung für unten drunter

Ähm ja, ich habe mal zum Liebsten gesagt, er dürfe mich als verrückt bezeichnen, wenn ich anfange mir Unnerbüxen zu nähen. Tja, nun ist dann wohl offiziell: Ich bin verrückt.

Aber eigentlich ist der Schritt doch ganz logisch. Stoffreste sammeln sich über die Zeit so einige an und nur kleine Mützen daraus nähen, ist irgendwann auch langweilig. Und in Anbetracht dessen, dass Unterhosen nun nicht ewig halten und irgendwann Ersatz her muss, ist die Resteverwertung doch ein sehr nachhaltiger Weg – der mir gerade sehr gefällt.

Zum Experimentieren habe ich mir den kostenlosen Schnitt für die Panty „Eve“ von pattydoo zur Hand genommen. Die blaue Blätter-Version, genäht aus den Stoffresten für meine Ella, ist der Schnitt ohne Änderungen. Außer das ich aus Stoffmangel auch die Vorderseite in zwei Teilen zuschneiden musste und hier nun eine Naht habe, das mich allerdings nicht stört. Für den Bund habe ich ein einfaches Gummiband genommen und dieses wie im Video erklärt angenäht (sehr schräg leider) und auf die andere Seite gefaltet. Die Version sitzt schon ganz gut, allerdings könnte der Schritt schmaler und der Bund dafür etwas höher sein.

Also Version zwei. Den Bund habe ich nach oben um einen Zentimeter angehoben und den Schritt um einen Zentimeter verringert. Statt eines Gummibandes habe ich für den Bund bei der grauen  Punkte-Version einen schmalen Jerseybund verwendet. Das gefällt mir wirklich sehr gut und werde ich sicherlich noch einmal so machen.

Die Pantys sind ein schnelles Projekt für zwischendurch und inklusive Zuschnitt zügig genäht. Die Unnerbüxen sind angenehm zu tragen. Eine Wiederholung wird es also definitiv geben. Allein bei der Verarbeitung müsste ich noch besser werden. Vor allem für den Zwickel möchte ich mir eine andere Saumvariante überlegen. Laut Anleitung wird der Beinsaum einfach nur einen Zentimeter umgeschlagen. Am Zwickel passiert es so allerdings – mir zumindest -, dass sich die Stofflagen verschieben. Habt ihr eine Idee, wie ich es anders machen könnte?

(Beitrag ist verlinkt bei Rums.)

„The Gilded Cage“ – Vic James

akhimo, Buchcover "Gilded Cage" von Vic JamesErschienen 2017. Band 1 der Dark Gifts Trilogie.

Zehn Jahre ihres Lebens müssen einfache britische Bürger den regierenden, magiefähigen Aristokraten, den Equals, als Sklaven dienen. Das ist seit Jahrhunderten so und wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Oder doch? Als die Hadleys mit ihren Kindern Abi, Luke und Daisy, die gerade 10 geworden ist, an der Reihe sind, wird die Familie auseinandergerissen. Die Mädchen und ihre Eltern werden als Sklaven nach Kyneston, dem Anwesen der einflussreichsten Adelsfamilie, den Jardines, geschickt. Ein vermeintlich einfacher Job, der sich aber schnell als ebenso gefährlich herausstellt wie die Arbeit in den brutalen Sklavenstädten. In eine von ihnen, Millmoor, wird Luke geschickt. Schnell findet er Freunde und wird vom Geist der Rebellion erfasst. Und dann ist da noch der jüngste Jardine-Sproß, Silyen, dessen magische Fähigkeiten alles bisher dagewesene überbieten und der seine ganz eigene Revolution anzettelt.

Okay, schon wieder eine Trilogie – und dann auch noch eine, auf dessen zweiten Band noch bis September gewartet werden muss. Aber diese hat es wirklich in sich. Ich bin fasziniert und begeistert. Ein wunderbares Debüt. Vic James schreibt spannend, humorvoll, detailreich und treibt ihre Geschichte voran. Ihre Handlung ist einfallsreich und beleuchtet viele Seiten. Auch dank der ihr gewählten Erzählweise: Insgesamt sieben Protagonisten erzählen einzelne Aspekte und Geschehnisse aus ihr Sicht. Das ermöglicht es James zum einen den Leser unterschiedliche Orte – Millmoor, Kyneston – zu zeigen, aber auch die unterschiedlichen Seiten von Sklaven und Equals darzustellen. Die Story lebt von diesen Seitenwechseln und Wendungen. Und gerade dieser Aspekt gefällt mir auch besonders. Vic James‘ Dystopie ist eben nicht nur schwarz und weiß, sondern mit sehr vielen Grautönen. Ich kann es jetzt schon kaum abwarten, bis Band 2 raus kommt.

Fazit: 5/5 Sternen. Absolute Leseempfehlung.

 

Kimono Tee mit Ankern

Als „Alles für Selbermacher“ die „Käpt’n Gräte“-Stoffe herausgebracht hat, wusste ich gleich, dass ich mir aus den weißen Ankern auf blauem Grund ein sommerliches Shirt nähen wollte. Nur welches stand lange nicht fest und so lag der Stoff erst einmal eine ganze Weile im Stoffregal und wartete auf seinen Bestimmung. Das Warten hat nun ein Ende. Aus dem Anker-Stoff ist ein Kimono Tee nach Maria Denmark geworden. Ich mag das Schnittmuster, das es aus nur zwei Teilen besteht und sehr schnell genäht ist. Mit Zuschnitt ist es wirklich ein schönes Projekt für den Abend.

Allerdings musste ich an dieser Version doch einiges noch abändern. Der Stoff ist viel dehnbarer als meine Upcycling-Version aus dem letzten Sommer und das Shirt war damit am Oberkörper – allerdings merkwürdigerweise nicht an den Hüften – viel zu weit. Ich habe es oben also noch einmal verschmälert. An den Schulternähten habe ich nachträglich dann auch noch verschmälert zum Saum hin, damit die angedeuteten Ärmel sich etwas mehr Richtung Arm bewegen und nicht so weit abstehen. Dabei habe ich natürlich die Nähte nicht mehr passend auf einander bekommen, getragen wird es aber trotzdem. Und geärgert hat es mich eigentlich auch nur im ersten Moment. Für die Bündchen habe ich übrigens vorgeschnittene Bündchenware von Alles für Selbermachen verwendet. Gefällt mir soweit ganz gut, allerdings finde ich, ist sie etwas weniger dehnbar beim nähen, aber angezogen passt alles.

Auf die wärmeren Temperatur mag ich nicht mehr warten und daher trage ich das Shirt nun eben im Lagen-Look. Wie zum Beispiel auf unseren Ausflug in die Botanika: Rhododendrenblüten schnuppern, Tee schlürfen, Kois füttern, Gibbons bestaunen, etc. – wirklich immer wieder einen Ausflug wert, zu jeder Jahreszeit. Zum Shirt trage ich übrigens meine gestern gezeigte reparierte Jeans, ein hellblaues Tuch, dass ich vor Jahren auf einem Mittelaltermarkt gekauft habe und mir zu einem Loop geknüpft habe, und darunter ein uraltes einfaches blaues Langarmshirt. (Ja, man merkt es, blau ist meine Farbe. ;-)) Die blau-weißen Sneakers sind übrigens Second Hand und mit kleinen Margeriten bedruckt. Quasi ein #Haulternative-Outfit: selbst genäht und selbst repariert.

(Beitrag ist verlinkt beim Me Made Mittwoch und mamimades #Haulternative.)

Jeans im Sashiko-Style

In meinem #Haulternative-Post hatte es ich ja schon angedeutet: Es war mal wieder Zeit für eine kleine Jeans-Reparatur. Zum einen musste ich meine alte Lieblingsjeans, die ich im letzten Jahr schon an Sashiko angelehnt gestopft habe, erneut unter die Nadel, zum anderen hatte mittlerweile die nächste meiner viel getragenen Jeans Löcher an Knie und Po. Und da ich es einfach nicht gern mag mit Löchern in der Jeans (abgewetzt aussehen dürfen sie, aber auch nur ein Fitzelchen Haut durchblitzen lassen, mag ich nicht) rumzulaufen, habe ich ein paar Jerseyreste, die ich hinter die Löcher lege – Vorteil: es franst nicht – , Nadel und Faden zusammengesucht und einfach drauf los gewerkelt.

Bei meiner Jeans aus dem letzten Jahr haben sich die Nähte aufgelöst, was wohl auch daran lag, das Nähtwist nicht auf derartige Beanspruchung ausgelegt ist. Daher habe ich mir nun extra Sashiko-Nähgarn in drei Farben und dazu auch richtige Sashiko-Nadeln bestellt. Mit den Nadeln ist das Nähen durch den schweren Jeansstoff wirklich sehr leicht und das Garn ist hoffentlich robuster. Die Zeit wird es zeigen. Da ich allerdings ein wenig faul war und durchaus auch den Scham der gerissenen alten Fäden mag, habe ich einfach neben die alten Nähte neue Nähte in einem Off-White gesetzt. Am gleichen Bein hat sich auch in der Kniekehle ein Loch gezeigt. Das habe ich versucht in einer klassischen Stopftechnik zu stopfen. Ist noch verbesserungswürdig, aber definitiv erst einmal dicht – und beim nächsten Mal wird es sicherlich schon besser.

Die Reparaturen an der anderen Hose haben etwas mehr Zeit in Anspruch genommen. Da an den Kanten des Lederlabels sowie an der oberen Ecke der rechten Gesäßtasche bereits größere Löcher entstanden sind, habe ich beides abgetrennt um besser stopfen zu können. (Das war eine ganz schöne Arbeit. Die Nähte waren wirklich fest.) Ich habe mich für eine etwas künstlerische Herangehensweise entschieden und einfach mal verschiedene Muster und Formen ausprobiert. Ein richtiges kleines Kunstwerk ist so entstanden, was fast schon wie gewollt ausschaut. Das Loch am linken Knie habe ich mit einem Jerseyrest hinterlegt und dann mit Stichen rundherum fest genäht. Durch das Loch blitzt nun immer ein kleiner Anker.

Der von mir gewählte Weg der Jeans-Reparatur ist vielleicht nicht unbedingt klassisch (ich trenne beispielsweise nicht erst an den Seitennähten auf, um den hinterlegten Stoff einmal mit der Maschine festzunähen, sondern stecke den Hintergrundstoff einfach mit Sicherheitsnadeln fest und nähe mit einfachen Stichen drauf los), aber mir gefällt er und es erfüllt seinen Zweck. Ich trage die geliebten Kleidungsstücke weiter, denn für Spielplatz und den Alltag mit den beiden Sonnenscheinen reicht es locker, auch wenn ich für die Arbeit und bestimmte Termine lieber heile Hosen trage. Es schont Ressourcen und die Umwelt. Das Nähen per Hand ist unglaublich meditativ, aber auch gleichzeitig sehr kommunikativ, wenn man es in Gesellschaft macht. Und vor allem habe ich am Ende eine sehr individuelle Jeans in den Händen, die so sicherlich kein zweiter hat und die zudem auch noch eine Geschichte erzählen kann. Eben eine weitere #Haulternative.

(Beitrag ist verlinkt beim Creadienstag, HoT und mamimades #Haulternative.)