„A Monster Calls“ – Patrick Ness

Buchcover "A Monster Calls" von Patrick NessNach einer Idee von Siobhan Dowd, erschienen 2011.

Ein schönes, bemerkenswertes Buch in vielerlei Hinsicht. Nicht nur optisch ein wahrer Hingucker – Jim Kays Zeichnungen ziehen einen in den Bann, immer wieder entdeckt man etwas neues, die Geschichte wird wunderbar untermalt. Sondern auch inhaltlich einfach ein Buch, welches einen nicht so schnell verlässt – auch wenn der Lesegenuss an sich nicht viel länger als ein halber Tag ist. Es ist ein dünnes Buch, gerade einmal 205 Seiten – inklusive mehrerer doppelseitiger Zeichnungen.

Als die alte Eibe auf dem Friedhof hinter Conors Haus sich kurz nach Mitternacht in ein riesiges Monster verwandelt, bleibt der Junge ruhig. Es ist nicht das Monster, das er erwartet hat. Nicht das Monster aus seinem immer wiederkehrendem Alptraum, das er so sehr fürchtet und ihn jede Nacht seit seine Mutter mit der Chemo angefangen hat den Schlaf raubt. Dieses hingegen weckt – trotz seiner enormen Ausmaße, seiner finsteren Gesichtszüge, seiner ausstrahlenden Gefahr, seiner Ungezähmtheit – keine Angst in ihm. Und genau deswegen ist das Monster erschienen, das sich als ein uraltes Wesen vorstellt, der ewige Grüne Mann, der alles Unzähmbare und Wilde ist. Der gekommen ist, um Conor zu helfen. Obwohl er nur sehr selten zur Hilfe eilt. Er will die Wahrheit von Conor – die dieser nicht zu lassen kann.

Patrick Ness hat Siobhan Dowds Ideen für ihr fünftes Buch, welches sie leider durch ihren frühen Tod nicht vollenden konnte, genommen und ganz in ihrer Tradition weitergesponnen. Entstanden ist ein sehr empfehlenswertes literarischer Jugendbuch über Trauer, Verlust und den Umgang mit beidem. Es ist tiefgründig, zu Tränen rührend und verzaubert mit einfachen, aber dennoch vielschichtigen Sätzen und Bildern. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir besondere Sätze, die das Monster sagt, innerlich dick unterstrichen habe. Wie z.B. dieser: „Stories are the wildest things of all, the monster rumbled. Stories chase and bite and hunt.“ (S. 35) 

Es ist ohne Frage ein Werk für junge Leser. Der Protagonist ist ein dreizehnjähriger Junge. Aber nicht desto trotz ist ein lesenswertes Werk für alle. Denn die Themen und Wahrheiten, die Patrick Ness und auch Siobhan Dowd ansprechen, betreffen uns alle.

Fazit: 5 von 5 Sternen. Das Buch tut einfach gut. Trotz der Thematik, gerade durch die daraus gewonnen Kraft.

 

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„Daughters of the Dragon“ – William Andrews

Buchcover "Daughters of the Dragon - A Comfort Woman's Story" von William AndrewsErschienen 2016.

Nach all den Fantasy- und Fortsetzungsroman der letzten Zeit brauchte ich mal wieder was anderes. Gern etwas historisches aus der jüngeren Vergangenheit. Meine Wahl fiel eher zufällig auf William Andrews „Daugthers of the Dragon“, die fiktive Geschichte einer Trostfrau während der japanischen Besetzung Koreas und weiter Teile Asiens im Zweiten Weltkrieg.

Die junge Amerikanerin Anna Carlson macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern in Korea. Ihre Mutter findet sie nicht, allerdings ihre Großmutter Hong Jae-hee, die ihr ihre schockierende Lebensgeschichte erzählt. Mit 14 Jahren wird sie von den Japanern verschleppt und muss bis zum Ende des Krieges als eine Trostfrau, einer Sexsklavin, für die Soldaten in Dongfeng dienen. Nur mit viel Glück entkommt sie ihrer Ermordung bevor die Russen den Ort einnehmen. Beschämt über ihre tausendfache Vergewaltigung und Misshandlung durch die japanischen Besatzer flieht sie in ihre Heimat nördlich von Pjöngjang in der Hoffnung ihre Eltern lebend zu finden. Vergeblich. Fortan bemüht sie sich ihre Vergangenheit für sich zu behalten, aus Angst vor Repressalien und aus Scham. Ein gutes Ohr für Sprachen habend, lernt sie schnell Englisch und arbeitet als Übersetzerin für den kommunistischen Norden. Sie flieht in den Süden, nachdem ihr Geliebter verschleppt wird und die Unterdrückung aller Andersdenkenden immer weiter zunimmt. Als sie scheinbar endlich dem Elend nach dem Bürgerkrieg entkommt, erkennt sie, dass sie nicht länger über ihre Vergangenheit als Trostfrau schweigen kann – und ein langer Weg um Anerkennung beginnt.

Andrews Charaktere sind zwar fiktiv, der Handlung einiges an Spannung durch einen geheimnisvollen Kamm, einem Familienerbstück, hinzugegeben, aber die Tatsache der Trostfrauen und der Kampf für die Anerkennung der Gräueltaten, die ihnen angetan wurden, sind real. Erst nach Jahrzehnten konnten sie in ihrer Heimat offen über den ihnen angetanen Vergewaltigungen sprechen und tragen mittlerweile den Ehrentitel Großmutter. Auf eine offizielle Entschuldigung und Entschädigung warteten die Frauen weitere Jahrzehnte: Im Dezember 2015 gab es ein Abkommen zwischen Südkorea und Japan, dass den Streit endgültig beenden sollte.

Ein Amerikaner, der über ein koreanisches Leben schreibt, dazu noch das einer Frau, wirkte auf mich im ersten Moment etwas befremdlich, aber die Geschichte ist sehr gut recherchiert und detailliert. Seit der Adoption seiner Tochter interessiert sich Andrews für koreanische Geschichte, was man zumindest als Außenstehender merkt. Und das ein Mann „Daughters of the Dragon“ geschrieben hat, habe ich im Laufe des Lesens wirklich voll und ganz vergessen. Der Schreibstil ist zwar nicht preisverdächtig, aber Andrews schafft es dennoch den Leser ganz langsam in diese brutale und schockierende Lebensgeschichte hinzuziehen. Hat einen erst einmal der Bann erwischt, dann lässt sich „Daugthers of the Dragon“ nur noch sehr schwer weglegen.

Fazit: 4,5 von 5 Sternen. Einfach lesenswert um der Geschichte Willen. Damit es nicht vergessen wird.

Chains of Gaia – James Fahy

Buchcover "Chains of Gaia - Book Three of the Changeling Series" von James FahyThe Changeling Series – Band 3. Erschienen 2017.

Gerade 14 geworden, ruft die nächste Scherbe der Arcania nach Robin Fellows. Zusammen mit seinen Freunden, wiedererwachten Fae und einem Überlebenden der Sidhe Nobilitas macht er sich auf in die Netherworlde. Auf Robin wartet ein Monster, das von der Macht der Scherbe konsumiert wird und immer größere Zerstörung verursacht. Dazu kommen Strigoi, Eris dunkler Ritter, und seine blutrünstigen Centauren, die Grimms und wirklich unerwartete Verbindungen, die ihm allesamt von seinem Ziel abbringen wollen: Die Erd-Scherbe der Arcania für ihn, den Scion und Erben Erlkings, zu sichern.

Der 3. Band der Changeling-Reihe ist erwachsener, düsterer als seine Vorgänger. Robin wächst in seine Rolle des Erben der Faes und in seine Macht stärker hinein. Er akzeptiert, dass alles zwei Seiten hat und er nur so sein volles Potential ausschöpfen kann. Die Kampfszenen werden umfangreicher. Fahys dritter Changeling-Band ist längst kein Werk mehr für die eher jüngeren Leser des YA-Spektrums, auch wenn sein Protagonist noch sehr jung ist.

Die Netherworlde wird ebenso ein Stück weiter gezeichnet. Nach dem kalten Norden in Band 2, erhält nun der Everhart, ein uralter Urwald, der die Ausmaße Wales hat, mehr Tiefe – ebenso wie die Dunkelheit, die Eris geschaffen hat. Die Changeling-Serie nimmt mit dem dritten Band – der auch doppelt so dick ist wie die beiden vorherigen – an Fahrt auf. Ich kann es kaum erwarten wie es weitergeht.

Fazit: 5 von 5 Sternen. James Fahy ist wirklich eine spannende Coming of Age/Fantasy-Serie gelungen, die von Band zu Band besser wird.

„Secondborn“ – Amy A. Bartol

Buchcover "Secondborn", Amy A. BartolErschienen 2017. Band 1 der Secondborn-Serie.

In der Fates Republic bestimmt nicht nur der Ort deiner Geburt, sondern auch die Reihenfolge über dein weiteres Leben und die beruflichen Optionen: Die Erstgeboren herrschen und dürfen Familie haben, die Zweitgeboren dienen und jede Beziehung ist ihnen untersagt – und Drittgeboren werden gnadenlos gejagt. Eine grausame Welt, in der Familie von Greueln und Angst beherrscht werden statt echter Zuneigung.

Roselle St. Sismode ist eine Zeitgeborene aus dem Reich der Schwerter (Fate of Swords) und muss ab dem Tag ihres Übergangs, ihrem 18. Geburtstag, als Soldatin der untersten Reihe dienen. Allerdings ist Roselle keine gewöhnliche Zweitgeborene, sondern die Tochter der Führerin des Reiches – ein Todesurteil. Sie gehört nicht in die Reihen der Zweitgeborenen Soldaten, aber auch nicht in ihre Familie. Aber ausgestattet mit einem unbedingten Willen zu Leben, einem starken Sinn nach Gerechtigkeit, mächtigen Freunden und Alliierten, treuen Begleitern und der besten militärischen Ausbildung, helfen ihr zu überleben. Und die Fates Republic in ihren Grundfesten zu erschüttern.

„Secondborn“ ist ein fulminanter Einstieg in eine neue YA-Serie, die mich – mal wieder – gefesselt hat. Ich komme gedanklich gar nicht aus der Welt raus und möchte dauernd weiterlesen – dabei ist der erste Band nun längst durch und der zweite noch nicht erschienen. Das ist für mich immer ein gutes Zeichen. Amy Bartols Schreibstil ist sehr treibend und detailliert. Sie hat eine ganz eigene Welt mit viel Fantasie und Detailgenauigkeit erschaffen, in der Architektur und Technik eine wichtige Rolle spielen.

Neben dem gesellschaftlichen Umbruch, in deren Mitte Roselle steht, gehört noch eine Liebesgeschichte, die für einzelne Aspekte der Geschichte wichtig ist. Ehe man sich versieht, ist man dann auch schon mittendrin in der Fates Republic und ist sich bald nicht mehr sicher, wer Freund und Feind ist.

Fazit: 5 von 5. Ich liebe diese Geschichte.

 

„Breaking Lights“ – Heather Hansen

Buchcover "The Breaking Light" von Heather HansenSplit City Book 1. Erschienen 2017.

Als Arden und Dade sich das erste Mal sehen, ist klar: Die beiden gehören zusammen. Nur gibt es ein kleines Problem. Sie hätten sich niemals sehen dürfen und können niemals zusammen sein. In ihrer Stadt irgendwo im All irgendwann in der Zukunft ist die Sonne nur den Reichen, den Solizen, vorbehalten, während die anderen unterhalb einer statischen Wolke gefangen sind. Noch schlimmer trifft es die Bewohner der Undercity, die zwar direkt auf dem Erdboden leben, aber durch eine steinerne Kuppel von der Welt über ihnen abgeschnitten sind – ohne Möglichkeit, dieser Welt zu entrinnen. Aber Arden ist Mitglieder einer mächtigen Gang, die mit Shine, einer Droge aus dem überlebenswichtigem Vitamin D, dealt und zahlreiche Wege hat, ihr Zuhause in der Undercity zu verlassen und in den oberen Levels zu agieren. Die Solizen sind ihre Erzfeinde – und Dade ist der Erbe des einflussreichsten Solizen-Clans. Es kommt, wie es kommen muss: Die Stimmung zwischen den einzelnen Schichten ist ohnehin schon am brodeln und droht in einen Bürgerkrieg zu enden, in dem Arden und Dade eine Seite wählen müssen.

Heather Hansens erster Roman ist locker, aber dicht geschrieben. Der Einstieg zeigt gleich, in welche Richtung es geht und lässt dennoch viele Punkte offen, wohin die Reise gehen wird. Wie werden sich die Liebenden entscheiden? Wird die Gesellschaft so bestehen bleiben, wie sie ist?  Die Welt, die sie kreiert ist düster, kalt und sehr detailliert.

„Breaking Lights“ ist das erste Buch einer zweibändigen Serie: The Split City. Der zweite Band kommt Anfang Dezember – und das ist auch gut so. Das erste Buch endet nämlich wirklich mitten im Kampf. (Gut, es gibt gerade eine kleine Verschnaufpause, aber es ist immer noch mitten im Kampf.) Und solche Cliffhanger sind echt nicht meins – so lange warten -, aber immerhin ist der Dezember ja nicht mehr so weit weg.  🙂

Fazit: 5 von 5. Ein YA-Roman der wirklich Spaß macht. Ich bin gespannt auf Band 2.