„Thorn“ – Intisar Khanani

akhimo, Buchcover "Thorn" von Intisar KhananiErschienen 2014.

Ein altes Märchen, neu interpretiert.

Als Prinzessin eines abgeschiedenen Königreichs wird Alyrra aus politischem Kalkül ihrer Mutter mit Kestrin, Thronfolger eines reichen und mächtigen Königreichs, verlobt. Auch wenn sie der Ehe in dem fernen Land mit Angst entgegen blickt, ist sie doch froh ihrem alten Leben mit einem gewalttätigen Bruder und der Gleichgültigkeit des Hofstaats zu entkommen. Aber mit der Verlobung hat sie auch mächtige Feinde dazu gewonnen. Zu mächtige. Auf ihrer Reise zu ihrem neuen Zuhause wird sie betrogen und zu einem Rollentausch mit ihrer Hofdame gezwungen. Und auch wenn sie wütend ist und sich um die Sicherheit ihres unbekannten Verlobten sorgt, ist Alyrra sich nicht so sicher, ob sie ihr altes Leben wieder haben möchte. Zum ersten Mal hat sie eine Wahl, auch wenn das bedeutet, ein einfaches, entbehrliches Leben zu führen.

Intisar Khanani nimmt das alte Märchen der Gänsemagd und macht es zu ihrer eigenen Story mit Wendungen. Versetzt in ein mittelalterliches fremdes Land kämpft Prinzessin Alyrra als Gänsemagd Thorn nur widerstrebend für das, was ihr gehört, akzeptiert Mühsal, findet unerwartete Freundschaften und entdeckt eine neue Welt für sie. Khanani gibt dem Märchen mehr Tiefe und liebenswerte und interessante Charaktere, mehr Magie und dunklere, realistischere Seiten. Diese Gänsemagd-Geschichte ist wesentlich düsterer als das eigentliche Märchen.

Fazit: 5 von 5 Sternen. Ein sehr gutes Lesevergnügen.

 

„Love Letters to the Dead“ – Ava Dellaira

Buchcover "Love Letters to the Dead" von Ava DellairaErschienen 2014.

Ein Brief an eine tote Persönlichkeit. Irgendeine. Aus einer Hausaufgabe für den Englisch-Unterricht entwickelt sich für Laurel ein Ventil, über ihre Gefühle zu sprechen. Wie es ist, neu an der High School zu sein und niemanden zu kennen, Freunde zu finden, sich das erste Mal zu verlieben. Und mit dem viel zu frühen Tod ihrer großen Schwester klar zu kommen, für den sich Laurel schuldig fühlt, und dem anschließenden Auseinanderbrechen ihrer Familie. Sie schreibt Briefe an Kurt Cobain, River Phoenix, Judy Garland, Amy Winehouse, Amelia Earhart, John Keats, … Wie Freunden, denen sie alles erzählen kann, während sie sich vor der Außenwelt verschließt. Langsam, über die Monate hilft ihr das Schreiben der Briefe sich nach außen öffnen zu können, ihre Gefühle los- und zuzulassen. Alle. Und langsam zu heilen.

Ava Dellairas Debüt ist eine traurige, aber auch kraftgebende „Coming of Age“-Geschichte, die ein versöhnliches, positives Ende hat. Ich mag ihren vorsichtigen, oft gar poetischen Schreibstil. Die gewählte Erzählform in Briefen zeigt dem Leser die Protagonistin in all ihrer Verletzlichkeit, Zartheit und Zerrissenheit, ihre Wut und ihre Angst. Und ich mag die kleinen Details und Anekdoten über die verstorbenen Adressaten, die in Laurels Briefen eingearbeitet sind.

Fazit: 5/5 Sternen. Ein wunderbar zartes Buch, sehr gut geschrieben und mutmachend.

„The Gilded Cage“ – Vic James

akhimo, Buchcover "Gilded Cage" von Vic JamesErschienen 2017. Band 1 der Dark Gifts Trilogie.

Zehn Jahre ihres Lebens müssen einfache britische Bürger den regierenden, magiefähigen Aristokraten, den Equals, als Sklaven dienen. Das ist seit Jahrhunderten so und wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Oder doch? Als die Hadleys mit ihren Kindern Abi, Luke und Daisy, die gerade 10 geworden ist, an der Reihe sind, wird die Familie auseinandergerissen. Die Mädchen und ihre Eltern werden als Sklaven nach Kyneston, dem Anwesen der einflussreichsten Adelsfamilie, den Jardines, geschickt. Ein vermeintlich einfacher Job, der sich aber schnell als ebenso gefährlich herausstellt wie die Arbeit in den brutalen Sklavenstädten. In eine von ihnen, Millmoor, wird Luke geschickt. Schnell findet er Freunde und wird vom Geist der Rebellion erfasst. Und dann ist da noch der jüngste Jardine-Sproß, Silyen, dessen magische Fähigkeiten alles bisher dagewesene überbieten und der seine ganz eigene Revolution anzettelt.

Okay, schon wieder eine Trilogie – und dann auch noch eine, auf dessen zweiten Band noch bis September gewartet werden muss. Aber diese hat es wirklich in sich. Ich bin fasziniert und begeistert. Ein wunderbares Debüt. Vic James schreibt spannend, humorvoll, detailreich und treibt ihre Geschichte voran. Ihre Handlung ist einfallsreich und beleuchtet viele Seiten. Auch dank der ihr gewählten Erzählweise: Insgesamt sieben Protagonisten erzählen einzelne Aspekte und Geschehnisse aus ihr Sicht. Das ermöglicht es James zum einen den Leser unterschiedliche Orte – Millmoor, Kyneston – zu zeigen, aber auch die unterschiedlichen Seiten von Sklaven und Equals darzustellen. Die Story lebt von diesen Seitenwechseln und Wendungen. Und gerade dieser Aspekt gefällt mir auch besonders. Vic James‘ Dystopie ist eben nicht nur schwarz und weiß, sondern mit sehr vielen Grautönen. Ich kann es jetzt schon kaum abwarten, bis Band 2 raus kommt.

Fazit: 5/5 Sternen. Absolute Leseempfehlung.

 

„The Valley (Book 1)“ – Helen Bryan

Buchcover, "The Valley" von Helen BryanErschienen 2016, Start einer Trilogie, 607 Seiten.

1754, die Honorable Miss Sophia Grafton ist nach dem Tod ihres Vaters, dem Vicount Grafton mittellos. Der Besitz ist hoch verschuldet und muss zur Tilgung der Schulden veräußert werden. Einzig geblieben ist ihr der Besitz „Wildwood“ an der äußersten Grenzen der britischen Kolonie in Virginia. Und so macht sie sich auf, ihr Land für sich zu beanspruchen. Nichts ahnend all der Gefahren und Entbehrungen, die auf der Reise zu ihrem Tal, auf sie und ihre Begleiter, die sich ihr auf ihrem Weg anschließen, warten.

Durch einzelne Szenen und Ereignisse führt uns Helen Bryan durch die Geschichte ihrer Vorfahren bis in das Jahr 1837. Hauptfigur ist Sophia Grafton. Ihre Geschichte beginnt an den Höfen und in den Gesellschaften der europäischen Königshäuser und nicht zu letzt in England, ihrer Heimat, wo sie als junges Mädchen in die Gesellschaft eingeführt wird. Nach einer stürmischen Überfahrt trifft sie in Williamsburg, Virginia, auf ihren Vormund, einem grausamen Trunkenbold und Plantagenbesitzer. Durch eine List kann sie ihm zusammen mit ein paar von ihr befreiten Sklaven entkommen und gemeinsam mit drei geflohenen Strafarbeitern und zwei französischen Spionen begeben sie sich auf den langen Weg zum ihrem Land. Es werden Familienbande geknüpft und das Tal im äußersten Winkel Virginias wird zum neuen Zuhause – auch wenn ihre Heimat immer England bleibt.

Nach den ersten Kapiteln, in denen für mich sehr langatmig Sophias Leben in England beschrieben wird, hat mich die Geschichte um diese mutige und zähe Frau und all die anderen Protagonisten gepackt. Ich musste einfach weiterlesen. Es ist eine gute Geschichte, die flüssig geschrieben ist und sich zügig weg lesen lässt.

Dennoch habe ich so ein paar Anmerkungen und Dinge, die mich stören. In diesem kleinen Tal entstand – zumindest nach dieser Erzählungen – ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen. Ehemalige Sklaven lebten Seite an Seite mit den andern Siedlern aus allen Teilen Europas und es gab Mixehen. Was ich für diese Zeit doch wirklich sehr außergewöhnlich finde. Und da komme ich dann auch doch ins Grübeln. War das wirklich so? Oder ist das eher eine Art Schönreden der eigenen Familiengeschichte?

Was mich ebenfalls nachträglich irritiert sind die Zeiten. Irgendwie scheint es mir, als wären die Kinder mal schneller und mal langsamer gealtert. (Aber ich war dann jetzt auch nicht so pedantisch, das dann nochmal genau nachzuprüfen). Außerdem hätte ich es schöner gefunden, wenn die Erzählung mit dem Tod Sophias oder dann zumindest mit dem ihres Ehemannes ein paar Jahre später geendet hätte. Der Zeitsprung von rund knapp 40 Jahren am Ende und der immer schnelleren Abfolge von Einführungen neuer Personen hat mich etwas aus der Geschichte geworfen, was ich schade fand. Helen Bryan versucht zwar immer die Stammbäume und einzelnen familiären Verbindungen deutlich zu machen, aber bei der stetig wachsenden Zahl der Talbewohner wird es dennoch unübersichtlich. Vielleicht erleichtert das gewählte Ende aber auch den Einstieg in den Folgeband. Wir werden es sehen, wobei ich noch unsicher bin, ob ich der Reihe weiterflogen werde.

Fazit: 3,5/5 Sterne. Ich mag die Geschichte und die Einblicke in das Leben der frühen amerikanischen Siedlungsgeschichte. Allerdings haben mich auch zu viele Punkte irritiert.

„Mortal Instruments 1-3“ – Cassandra Clare

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„City of Bones“, „City of Ashes“ und „City of Glass“, erschienen zwischen 2007 und 2009.

Schon lange habe ich überlegt, ob ich ein wenig in die Shadowhunter-Welt eintauche und einmal die Moral Instruments-Reihe, oder auch hierzulande besser bekannt als Chroniken der Unterwelt, von Cassandra Clare lese. Tja, und nun war der Zeitpunkt gekommen und ich habe es gewagt. Wobei, das erste Buch hatte ich schon fast 3 Monate auf meinem Kindle, bin aber einfach nicht über die ersten paar Seiten hinausgekommen. Hat mich einfach nicht gepackt. Vor zwei Wochen habe ich es dann nochmal versucht. Und was soll ich sagen. Ich habe dann mal in den letzten beiden Wochen so ganz nebenbei die ersten drei Bände mit jeweils rund 500 Seiten durchgelesen.

Die Geschichte um die noch 15-jährige Clary, die auf dramatische Weise erfährt, dass sie ein Shadowhunter ist, die von Menschen und Engeln abstammen und gegen Dämonen kämpfen, ihren besten Freund Simon und die drei Shadowhunter Jace, Alec und Isabelle hat mich wirklich fasziniert.Vor der Kulisse New Yorks entspinnt Cassandra Clare eine fantastische Welt, in denen Vampire, Werwölfe, Feen, Hexenmeister, Dämonen und Nephilim ungeahnt vom Rest der Menschheit um das Fortbestehen der Welt ringen und ihre ganz eigenen Kämpfe ausfechten. Clare kann sehr gut beschreiben und die Welt entsteht sehr detailliert vorm inneren Auge, lässt aber auch noch großen Raum für eigene Interpretationen.

Der Kampf zwischen Gut und Böse und all den Grauschattierungen dazwischen setzt sie sehr gut in Szene. So macht sie beispielsweise Jace inneren Konflikt, seinen Vater Valentin, der mit Hilfe der Dämonen die Shadowhunter reformieren will und vor nichts zurückschreckt, zu hassen, aber ihn auch gleichzeitig zu lieben, da er sein Vater ist, sehr deutlich. Und ich muss gestehen, ich mochte auch die Teenie-Liebesgeschichte zwischen Clary und Jace, die eigentlich nicht sein darf und die neben dem Kampf gegen Valentin die zweite treibende Kraft in der Geschichte ist, sehr. Gut, manchmal war es mir echt ein wenig zu viel Teenie (ich habe es nach dem zehnten Mal nun wirklich kapiert, was für tolle Augen Jace hat…), aber damit muss man wohl rechnen, wenn man mindestens doppelt so alt ist und einen Jugendroman liest. 😉

Die Frage ist nur, lese ich noch weiter? Es gibt ja noch drei weitere Bände in der Mortal Instruments-Reihe und noch zig andere, die in der von Clare geschaffenen Welt spielen. Hm, vom jetzigen Standpunkt auf betrachtet, sage ich Nein. Die Reihe war ursprünglich als Trilogie geplant und damit kommt es in „City of Glass“ zu einem für mich versöhnlichen Abschluss. Es sind nicht zu viele Fragen offen geblieben und es gibt zu dem ein Happy End. Und das finde ich genau so schön wie es ist. Es lässt viel Raum fürs Weiterspinnen, wenn man mag, gab mir aber auch die Möglichkeit nun Abschied von den Charakteren zunehmen und weiterzuziehen. Die weitere drei Bände zu lesen, schließt sich für mich gerade einfach nicht automatisch an, ganz im Gegensatz zum Verlangen zwischen Buch 1 und 2 sowie 2 und 3.

Fazit: ***** Absolute Leseempfehlung.