Zirkus der Unsterblichen

immortal_circus_3_Kahlerimmortal_circus_2_Kahlerimmortal_circus_1_Kahler„The Immortal Circus (Cirque des Immortels)“, Band 1-3, A.R. Kahler, 2012-2014.
(Bisher nur für den Kindle erschienen)

Der Cirque des Immortels ist ein ganz besonderer Zirkus. Geheimnisvoll, spektakulär, verrucht – und die Artisten eigentlich unsterblich. Trotzdem stehen alle am Morgen vor der Leiche einer Schlangenfrau. Und die Mordserie geht weiter. Mittendrin Vivienne Warfield, die von ihrer eigenen Vergangenheit davon gelaufen ist, aber sich eigentlich gar nicht mehr an sie erinnern kann. Schnell lernt Vivienne, das der Zirkus nicht ist, was er zu sein scheint. Sie befindet sich mitten in einem perfiden Intrigenspiel, nahe einem alles vernichtenden Krieg, zwischen Queen Mab und Oberon, den beiden Feenhoheiten, denen Shakespeare in seinen Werken ein Denkmal gesetzt hat. Dabei erscheint auch Viviennes Vergangenheit und Zukunft in einem ganz neuen Licht: Blutiger und aussichtsloser, als sie sich je gedacht hat. „The Immortal Circus“ ist düster, mörderisch, grausam.

Alles was das Feenreich zu bieten hat, dazu noch Dämonen, Gestaltwandler und Hexer (ja, wirklich Hexer) hat A.R. Kahler in seinem Immortal Circus vereint, der die Grenzen zwischen der sterblichen und der Welt der Feen verwischt. Alle Protagonisten haben Dreck am Steck, wirklich Gutes sucht man hier nahezu vergebens. Allerdings kein Grund, nicht doch den Hauptpersonen die Daumen zu drücken. Man mag zwar nicht alle ihre Eigenschaften, aber sie versuchen Fehler rückgängig zu machen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Die Geschichte hat eben Höhen und Tiefen.

Was mich am ersten Band wirklich genervt hat: Gefühlt jeder zweite Satz galt der Bewunderung der weiblichen Protagonistin für den wohl sehr stattlichen, ansehnlichen männlichen Protagonisten, Hexer/Zauberer Kingston. Argh, gibt es denn keine anderen Probleme? Allerdings, um so weiter man sich durchbeißt, umso weniger nervt es bzw. ist es präsent. Müssen wir also wohl als stilistisches Element A.R. Kahlers verbuchen. Und man erkennt den Sinn dahinter in der weiteren Lektüre .

Was man sich dann denken kann, geschieht: Das ganze beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. Aber liebt Kingston Vivienne wirklich? In den folgenden Bänden scheint es so. Als Viviennes Freund aus der Vergangenheit auftaucht, stellte sich mir dann allerdings doch nur die entnervte Fragen: Ach komm, jetzt nicht auch noch so eine komplizierte Dreiecksgeschichte… Denn wozu sonst wird der Typ jetzt eingeführt?! Okay, macht nach Lektürenende vielleicht auch Sinn, aber hätte nicht Not getan.

Der Schluss der Trilogie war übrigens zunächst anders. Den Epilog hat Kahler erst nach zahlreichen negativen Reaktionen seiner Leser eingefügt. Er habe eigentlich ein Ende geben wollen, dass viel Raum zur Interpretation offen lasse und ein eventuelles Wiedersehen ermögliche, dies sei aber wohl nicht der Wunsch seiner Leser nach einem Abschluss gewesen, erklärt A.R. Kahler auf seinem Blog. Ich hätte gut ohne den Epilog leben können. Für mich war es auch so ein gutes Ende, dass eben genau das – viel eigenen Interpretationsspielraum – lässt. Der Epilog hat bei mir hingegen noch viel mehr Fragen aufgeworfen…

Fazit: Würde ich es weiter empfehlen? Ja, es war eine gute, fesselnde Lektüre.

Übrigens, wer die Möglichkeit hat, sollte es sich lieber über die Kindle-Ausleihe besorgen. Und es wird wohl demnächst ins Deutsche übersetzt.

 

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