Böse ist nicht gleich böse

wicked_gregory_maguire„Wicked – Die Hexen von Oz. Die wahre Geschichte der Bösen Hexe des Westens.“ (Original: Wicked. The Life and Times of the Wicked Witch of the East), Gregory Maguire, 2008.

Grün, allergisch gegen Wasser und bereits mit einem scharfen Satz Zähne bestückt kommt Elphaba, zukünftige böse Hexe des Westens, auf die Welt. Ihr Vater ist ein radikaler Prediger, ihre Mutter dem Alkohol und den Männern nicht abgeneigt. Ihre Andersartigkeit macht es ihr nicht leicht ihren Weg in der Welt von Oz zu finden. Sie ist eigensinnig und starköpfig. Als junge Frau studiert sie schließlich Biologie und kämpft für die Rechte der unter der dem Zauberer von Oz unterdrückten TIERE, Tiere, die Reden können und eine Seele haben. Sie wird radikal, verlässt ihren Freundeskreis und ihre Familie und geht in den Untergrund. Sie will den Tyrannen auf dem Thron von Oz stürzen.

Gregory Maguire nimmt Frank L. Baums eher einfach gezeichnetes Oz, schmückt die Welt weiter aus und erzählt schließlich eine Vorgeschichte zu diesem Kinderklassiker, der alles mit einem anderen Blick sieht. Dabei stehen immer wieder die Fragen im Raum, was wirklich böse ist, wie man böse wird, ob man böse ist, wenn man gutes im Sinn hat, und ob böse gleich böse ist. War die Böse Hexe des Westens wirklich schon immer böse? Ist sie überhaupt böse? Und ist der Zauberer von Oz gut? Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind und sicherlich von der eigenen Definition abhängen. Aber so wie die Welt nicht schwarz und weiß ist, so gibt es eben auch viele Graustufen von Gut und Böse. Elphaba ist sicherlich nicht die böse Hexe, aber sie ist eben auch nicht unschuldig, nicht immer liebenswert, nicht einfach. Sie ist zornig, traurig, verletzt und verletzend. Sie ist enttäuscht von ihrer Welt.

Apropos, ihre Welt. Das Oz, das Gregory Maguire, beschreibt, ist um einiges vielschichtiger, als das Original. Die Bewohner der einzelnen Regionen entsprechen nicht einfach nur Stereotypen, sondern haben Charakter. Sie begehren auf gegen Dinge, die ihnen missfallen. Maguire hat Oz Wissenschaft, Religion und Kultur gegeben, eine eigene Identität. Seine Inspiration? Die Leseerfahrungen seiner Kindheit, die er zu Dutzenden als kleine Hommage in seinen Roman eingearbeitet habe, wie er in seinem Vorwort sagt. Allerdings ist „Wicked“ definitiv keine Geschichte für Kinder, sondern mit seinen zahlreichen, auch sexuellen Anspielungen ein Erwachsenenroman.

Fazit: Lesenswert. Maguires Oz gefällt mir um längen besser als Baums.

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