Wanderschaft eines Iren

barry_whereabouts_eneas_mcnulty„The Whereabouts of Eneas McNulty“, Sebastian Barry, 2006.

Puuh, tja, was soll ich sagen? Die Buchbesprechung liegt hier schon einige Zeit rum. Ein paar Mal immer wieder angefangen und dann doch gelöscht. Erinnert mich ein bisschen daran, wie ich Eneas McNultys Lebensgeschichte gelesen habe. Dafür habe ich auch ein paar Anläufe gebraucht, schon ein paar andere Bücher zwischendurch gelesen… Und dann hat es mich plötzlich doch gepackt und ich hab es in einem Rutsch gelesen – und es ist gut. Sebastian Barry hat einen sehr poetischen Schreibstil, an den ich mich erst gewöhnen musste (daher wohl auch meine Anfangsschwierigkeiten), mit dem er Eneas McNulty Leben einhaucht.

Eneas wächst in ärmlichen Verhältnis im irischen Sligo auf; der erste Weltkrieg, die Osteraufstände und die irische Unabhängigkeit stehen bevor. Aber der junge Eneas trifft eine Entscheidung, die sein weiteres Leben für immer verändern wird. Als Ire meldet er sich –  da noch zu jung für den Kriegseinsatz – für die britische Handelsmarine. Nach dem Ende seiner Seefahrt kehrt er zurück nach Sligo auf der Suche nach einem Job. Aber niemand will ihn anstellen, da er als Kollaborateur gilt. Seine Entscheidung zur Royal Irish Constabulary, Polizei im Zeichen der britischen Regierung, zu gehen, besiegelt sein Schicksal. Fortan ist er ein Feind des irischen Volkes, wird zum Tode bestraft, muss fliehen und wird Zeit seines Lebens immer wieder gejagt. Seine Heimat ist nicht mehr sein Zuhause. Er wird Fischer in Schottland, dient als Soldat im zweiten Weltkrieg in Frankreich, baut Straßen im post-kolonialen Nigeria und findet schließlich im hohen Alter ein bisschen Frieden. Dabei bleibt immer die Sehnsucht nach Sligo, seiner Familie und das Was-Wäre-Wenn.

Barry erzählt irische Geschichte von einer anderen Seite, mit all seiner irischen Erzählkunst.   Ein wenig James Joyce hier und da, etwas Barde dort. Und obwohl McNultys Geschichte tief traurig und zum Verzweifeln ist, gelingt es Sebastian Barry den Leser nicht in ein tiefes Loch fallen zu lassen. Nicht zu letzt, da dieser Wanderer Eneas nicht aufgibt: Er lebt einfach irgendwie weiter und hofft. Darüber hinaus regt dieser Held, der einfach zur falschen Zeit auf der falschen Seite stand, zum kritischen Überdenken an z.B. über Sinn und Unsinn von Nationalismus und politische Gewalt.

Fazit: Kämpft man sich durch den mühsamen Start, dann erwartet einen wirklich gute Prosa.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Wanderschaft eines Iren

  1. Pingback: The Secret Scripture | akhimo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s