Ein Teelöffel Land und Meer

nayeri cover„Ein Teelöffel Land und Meer“ (Original: A Teaspoon of Earth and Sea), Dina Nayeri, 2013.

Iran, Anfang der 1980er Jahre: Die Islamische Revolution zwingt Sabas wohlhabende, zum Christentum konvertierte Familie aus Teheran aufs Land. Das ist das eine einschneidende Erlebnis im Leben der Elfjährigen. Kurze Zeit später verschwinden ihre Mutter und ihre Schwester spurlos. Aber Saba ist sich sicher: Sie sind ohne sie nach Amerika geflohen. Schließlich hat sie sie am Flughafen ein Flugzeug besteigen sehen. Aber stimmt das wirklich? Ihr Vater und die Bewohner des Dorfes sagen ihr immer wieder, das Mathab, ihre Zwillingsschwester, gestorben sei. Von ihrer Mutter weiß niemand etwas.

Vergebens auf eine Nachricht ihrer Schwester wartend, beginnt Saba sich Mathabs Leben in Amerika vorzustellen. Sie erzählt ihre Geschichten ihren beiden besten Freunden, dem Mädchen Ponneh und dem Jungen Reza, in den sie verliebt ist, sowie ihren Ersatzmüttern, ein paar Frauen aus dem Dorf. Immer in Serienepisodenlänge, 22,5 Minuten. Und immer ein verzerrtes Spiegelbild Sabas eigener Probleme. Über die Geschichten wird Saba älter. Sie strebt nach einem freiheitlichen Leben, das Leben Mathabs und dem Leben, das sich ihre Mutter, die Wert auf eine westliche Bildung legte, für sie erträumte. Aber die Umstände im Iran zwingen sie zu einem ganz anderen. Bis sie endlich die Chance erhält und den Mut gewinnt ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Dina Nayeri ist eine wunderbare Geschichtenerzählerin. Das spürt man in jedem einzelnen Kapitel. Vor dem inneren Auge des Lesers entsteht die Landschaft Nord-Irans am Kaspischen Meer, das Anwesen, auf dem Saba mit ihrem Vater lebt, das fiktive Dorf Cheshmeh und all die Bewohner. Allerdings ein Landstrich, den die Exil-Iranierin aus ihrer Erinnerung entwickelt hat, und zum Vorteil der Geschichte auch anpasste, wie sie in ihrem Nachwort schreibt. Nayeri wechselt zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven: Sabas Erlebnisse schildert sie in der dritten Person, sobald allerdings Saba Mathabs Geschichten vorträgt, wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Das gleiche gilt für die Geschichten der einzelnen Ersatzmütter, die ebenfalls zu Wort kommen und wichtige Hintergrundinformationen liefern. Vielleicht hat der Roman an der ein oder anderen Stelle etwas Länge, stört das Lesevergnügen aber nicht weiter.

Fazit: lesenswert.

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