Ein Strauß Bücher

Oh je, wo sind bloß die letzten Wochen geblieben? So viele Ideen für Beiträge schwirren mir im Kopf – nur auf den Bildschirm haben sie es noch nicht geschafft. Aber jetzt. Los geht es mal wieder mit ein paar Büchern. Gut geeignet für die Urlaubslektüre, lange Zugfahrten und auf dem Sofa oder Liegestuhl daheim. Alles selbst erprobt. 😉

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„Im Brunnen der Manuskripte“ (Original: The Well of Lost Plots), Jasper Fforde, 2011.

Eigentlich will sich Literaturagentin Thursday Next in einem drittklassigen schlechten Krimi, der wohl niemals veröffentlicht wird, vor den Gefahren ihrer Welt schützen und sich in Sicherheit auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten. Aber auch in der Buchwelt läuft nicht alles wie geplant. In ihrem dritten Fall muss sie gegen Acheron Hades Schwester Aornis, die ihr sämtlich Erinnerung nehmen will, kämpfen, einen Mörder, der es auf Jurisfiktions-Agenten abgesehen hat, entlarven und zu allem Überfluss wird sie von den Charakteren ihres Zufluchtromans darum gebeten, den Krimi vor der Zerstörung zu retten. Ach ja, und dann wären da noch die zwei Rohlinge, die bei ihr untergebracht sind und auf ihre Auftritte in zukünftigen Romanen vorbereitet werden.

Auch der dritte Thursday-Next-Band kommt wieder mit einigen überraschenden Wendungen daher, die die Lektüre bereichern. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Bänden, spielt dies Folge fast vollständig in der Buchwelt. Nur für einen kurzen Augenblick geht es in die Außenwelt, die nicht weniger schräg ist, als die Buchwelt, in der Romanhelden ein Leben zwischen den Zeilen führen, munter von einem Werk ins nächste springen und nach Emotionen süchtig sind.

Fazit: Eine geniale Idee, aber eine Reihe, die man definitiv von Anfang an lesen muss, um einen Zugang zu finden.

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„Im Schatten der Pineta“ (Original: La briscola in cinque), Marco Malvaldi, 2011.

Eine junge Frau wird frühmorgens tot in einem Müllcontainer nahe des Pinenwäldchens gefunden, nicht weit weg von Massimos Café in dem kleinen toskanischen Küstenörtchen Pineta. Und schon befindet sich Massimo, der den Fund meldet, mitten in den Mordermittlungen. Für seine vier Stammgäste, die vier alten Männer – unter ihnen sein Großvater -, die sich ansonsten während der sommerlichen Hitze in der Bar mit Espresso, Eis, Kartenspiel und Tratsch die Zeit vertreiben, ein gefundenes Fressen.

Mit italienischer Leichtigkeit, amüsanten und auch etwas klischeebehafteten Protagonisten und jeder Menge Scharfzüngigkeit ist Malvaldi ein richtig vergnügsamer Toskana-Krimi für den Urlaub gelungen.

Fazit: Sehr schön.

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„Der Nachtzirkus“ (Original: The Night Circus), Erin Morgenstern, 2012.

Ohne Warnung, ohne Vorankündigung ist er plötzlich da: Ein ganz in schwarz, weiß und grau gehaltener Zirkus, der erst mit Sonnenuntergang seine Tore öffnet. Der Nachtzirkus verzaubert alle, die ihn einmal besucht haben. In jedem Zelt warten atemberaubende, märchenhafte, verzaubernde und fesselnde Attraktionen auf die Besucher. Ein Zauber umgibt diesen Ort.

1873: Mit fünf Jahren kommt Celia, nach dem Selbstmord ihrer Mutter, zu ihrem Vater, dem Illusionisten Prospero. Er erkennt sofort ihre magischen Fähigkeiten und ehe sich das kleine Mädchen versieht, ist sie von ihrem Vater zu einem magischen Wettkampf verpflichtet. Ort, Zeit und Aufgabe unbekannt.

1874: Properos Gegenspieler, Alexander, sucht sich in einem Waisenhaus in London einen kleinen Jungen aus und lehrt ihm die Magie. Wofür? Um eines Tages für den Wettkampf gewappnet zu sein.

1885: Der Veranstalter Chandresh Lefèvre möchte einen einmaligen Zirkus ins Leben rufen, der die Grenzen des Daseins weiter dehnt. Er ahnt nicht, dass der Zirkus zum Schauplatz eines magischen Wettkampfes wird.

Erin Morgensterns „Nachtzirkus“ ist facetten- und ideenreich, fantasievoll. Ihre Zirkuswelt verzaubert nicht nur die Protagonisten und Nebendarsteller, sondern auch die Leser. Detailreiche Beschreibungen lassen den Zirkus vor dem inneren Auge entstehen und man wandert in seiner Fantasie zwischen den Zelten, probiert herrlich duftende Süßigkeiten und lässt sich begeistern von den Darbietungen der Artisten.

Fazit: Ein lesenwertes magisches Märchen, dunkel und blendend zu gleich.

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„Die Windel fällt immer auf die Butterseite“, Falk Osterloh, 2011.

Projekt Baby: Stephan und seine Freundin Cora wollen ein Kind. So weit, so gut. Dass es allerdings so wird, hat sich der verplante Stephan nun doch nicht vorgestellt. Im Geburtsvorbereitungskurs trifft er nur merkwürdige Eltern, die alles besser wissen. Und auch das Zuhausebleiben, während seine Freundin kurz nach der Geburt wieder arbeitet, erweist sich als anstrengender als gedacht. Nichts da mit Schreiben des lang geplanten Romans und Zeit mit den Freunden verbringen. Sohnemann Till verlangt seine volle Aufmerksamkeit, während die Wohnung um ihm herum im Chaos versinkt.

Falk Osterloh beschreibt das Abenteuer Elternwerden auf so amüsante, humorvolle Art und Weise, dass man einfach wissen muss, was Stephan und Till nun als nächstes passiert. Der verpeilte Stephan wächst einen ans Herz und man möchte ihm die ganze Zeit immer wieder Ratschläge geben, um die nächste Katastrophe zu verhindern. Und ist doch am feisten, wenn das Unausweichliche passiert.

Fazit: Kurzweilig.

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„Pigeon English“ (Original: Pigeon English), Stephen Kelman, 2011.

Harri Opoku (11), schnellster Läufer in seinem Jahrgang, lebt seit kurzem mit seiner Mutter und seiner Schwester in London in einem Sozialbau. Sein Vater und seine kleine Schwester warten noch in Ghana auf eine Möglichkeit nachzureisen. In seinem Virtel leben viele Einwanderer – legal und illegal-, Drogenabhängige und Kriminelle. Gewalt steht auf der Tagesordnung. Harri versucht sich in diese Welt mit Mut und Gottvertrauen einzuordnen und wandert dabei immer ein wenig auf Messers Schneide. Die Gang ist an ihm interessiert, während seine Mutter ihn nicht in ihrer Nähe sehen will. Als ein Jugendlicher erstochen wird, die Polizei aber mit den Ermittlungen nicht weiterkommt, macht er sich mit einem Schulfreund auf die Suche nach den Tätern. Und begibt sich damit in Gefahr.

Mit kindlich-naiven Blick, der die Realität doch so deutlich wahrnimmt, sieht Harri auf seine kleine Welt. Kelmans sozialkritisches Debüt ist gerade deswegen trotz all der Grausamkeiten, die in Harris Darstellungen deutlich werden, humorvoll und lebensbejahend. „Insofern ist „Pigeon English“ ein durch und durch aufklärerisches Buch – ohne zu moralisieren. Es geht einem zu Herzen – ohne sich in Kitsch und Pathos zu verlieren. Es hilft zu verstehen, wo die meisten Debatten kläglich versagen.“ (Neue Züricher Zeitung, 24. April 2011)

Fazit: Absolut lesenswert.

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2 Gedanken zu „Ein Strauß Bücher

  1. man dieser verdammte Nachtzirkus verfolgt mich auf jedem Bolg, i dem ich vorbeischaue… lange werde ich wohl nicht mehr durm herum kommen und es auch endlich lesen muessen…

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