Thursday Nexts erster Fall

„Der Fall Jane Eyre“ (Original: The Eyre Affair), Jasper Fforde, 2011.

Der Krim-Krieg tobt seit 130 Jahren, Russland ist nach wie vor ein Zarenreich, in Wales herrscht eine kommunistische Regierung und Großbritanniens Regierung ist von der Goliath Corporation unterwandert – Thursday Nexts Welt 1985 ist anders. Und die perfekte Kulisse für Jasper Ffordes Literatur-Fantasy-Krim-Reihe um Special Operations Agent Thursday Next.

In dieser Parallelwelt, in der Luftschiffe das bevorzugte Transportmittel sind, urzeitliche Tiere geklont werden, Zeitreisen und -verzerrungen auf der Tagesordnung sind, haben Kunst und Literatur einen enorm hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Statt Straßenschlachten zwischen Menschen unterschiedlicher politicher Ansichten, bekämpfen sich Anhänger moderner und klassicher Kunststile, statt religöser Sekten klingeln Baconier, Marlowianer etc. an den Haustüren und versuchen Bewohner zu überzeugen, dass ihr Idol und nicht Shakespeare die berühmten Werke verfasste. Mittendrin Thursday Next, Krim-Kriegveteranin, die sich als Literaturagentin, kurz LitAg, eine der 30 Special Operations Einheiten (genauer SpecOp 27), um gefälschte Manuskripte auf dem Schwarzmarkt kümmert. Eigentlich ein ziemlich ruhiger Job, trotz des blühenden Handels. Bis plötzlich Dickens Originalmanuskript des „Martin Chuzzlewit“ ohne eine Spur aus dem Museum entschwindet. Schnell ist sich Next sicher, wer hinter der Tat steckt: Niemand anderes als ihr ehemaliger Literaturprofessor und Oberschurke Acheron Hades (mit dem Namen konnte man schließlich nichts anderes werden). Und als dann auch noch das „Jane Eyre“-Manuskript aus Haworth House entwendet wird, spitzt sich die Lage zu. Jane Eyre wir aus ihrem eigenen Roman entführt, die Geschichte droht für immer aus dem Gedächntis der Menschheit zu verschwinden.

Fforde ist ein rasanter Krimi über Literatur und mit Literatur gelungen. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen und die Charaktere der einzelnen Romane sind plötzlich mittendrin in den Wirrungen, die ihre Erschaffer sich wohl so einst nie für sie erdachten. Ganz andere Seiten lernt der Leser nun beispielsweise an Rochester kennen. Ffordes Charaktere hingegen  bleiben eindimensional, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Fforde verwebt zudem nicht nur gekonnt Klassiker der englischen Litertur mit seinem Paralellentwurf der Welt, sondern bringt auch jede Menge Wortwitz ins Spiel, der im Orignal noch um einiges ausgefeilter sein dürfte.

Eine kurzweilige Lektüre, in der es einiges zu entdecken gibt, hat man sich erst einmal in Thursday Nexts Welt eingefunden. Der erste Band macht neugierig auf die nächsten vier. Und auf den ein oder anderen Klassiker – ob bereits gelesen oder nicht.

Fazit: Für Literaturfans mit einem Hang zum Skurrilen. Amüsant.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Thursday Nexts erster Fall

  1. Pingback: Vier Bücher später | akhimo

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s