Ein Hilfeschrei, den niemand hört

„Ein reiner Schrei“ (Original: A Swift Pure Cry), Siobhan Dowd, 2009.

Fesselnd und einfühlsam erzählt Siobhan Dowd in ihrem Debütroman von Hilflosigkeit, Einsamkeit, Armut, Vorurteilen, Enge und dem Willen, der Lust am Leben.

Ein kleines südirisches Dorf am Meer, 1984: Michelle Talent (15), von allen nur Shell genannt, muss sich nach dem Tod ihrer Mutter um ihre zwei kleinen Geschwister kümmern – während ihr Vater einem religiösen Fanatismus und vor allem dem Alkohol verfallen ist. Obwohl doch noch selbst ein Kind, bemüht sie sich mit all ihrer Kraft, die Familie zusammen zu halten, den Haushalt zu schmeißen und ihren Geschwistern das Gefühl von Geborgenheit zu geben. Alle im Dorf wissen ob der schwierigen Lage der Familie, doch kaum einer hilft. Nur der neue junge Pater Rose unternimmt etwas. Die zarte Freundschaft zwischen ihm und Shell zerbricht allerdings bereits nach kurzer Zeit am Tratsch der Dorfbewohner.

Auch die Freundschaft zu ihrem Mitschüler Declan steht unter keinem guten Stern. Als dieser über Nacht nach Amerika abhaut, bleibt Shell ungewollt schwanger zurück. Sie erzählt niemandem davon. Allein Jimmy und Trix, ihre jungen Geschwister, sind in Shells Geheimnis eingeweiht – und doch scheinen die Dorfbewohner etwas zu ahnen, eilen ihr aber nicht zur Hilfe. Stattdessen findet sich Shell schon bald in einem die Gemeinde erschütternden Skandal wieder, denn auch andere haben ihre Geheimnisse.

Behutsam, aber eindrucksvoll lässt Dowd, die 2007 den Kampf gegen den Brustkrebs verlor, vor den Augen der Leser Shells Welt entstehen, die von Leid und Lebenslust geprägt ist. Tagträume sowie Erinnerungen an ihre Mutter mischen sich in Shells Gedankenwelt mit den Geschehnissen der Umwelt. Es ist ein trauriges, nachdenkliches Buch, lässt den Leser nach dem Ende der Lektüre aber nicht völlig niedergeschlagen zurück. Vielmehr ist es ein Trostspender und Kraftgeber.

Fazit: Ein Jugendroman, den man defintiv auch – oder gerade – als Erwachsener lesen sollte.

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