Der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit

„Keine weiteren Fragen“ (Original:  Starter for Ten), David Nicholls, 2006.

Brian Jackson ist 19, schlaksig, zudem mit starker Akne gestraft und Kate-Bush-Fan. Auch 1985 sind das nicht gerade die besten Voraussetzungen, um die Uni-Schönheit für sich zu gewinnen. Brian versucht es trotzdem  – auf eine so tolpatschige, liebenswürdige Art und von einem Fettnäpfchen ins nächste tretend, dass er einfach nicht nur die Herzen der Leser gewinnt. David Nicholls Debütroman ist eine Geschichte übers Erwachsenwerden, über die Liebe, ein wenig auch über Klassenzugehörigkeit. Und das Wissen nicht gleich Wissen ist.

Als erster seiner Familie geht Brian Jackson, dessen Mutter als Verkäuferin arbeitet und dessen Vater Haustürvertreter war und, als Brian 12 war, starb, zur Universität. Er entscheidet sich für englische Literatur als Studienfach. Bereits am ersten Abend an der Uni trifft er auf einer Party Alice Harbinson, besagte Uni-Schönheit, und verliebt sich auf einen Schlag in sie. Ebenso entscheidend für den weiteren Verlauf des ersten Unisemster ist das Casting für „University Challenge“ – eine Quizshow, die Jacksons Vater geliebt hat und immer mit seinem Sohn zusammen schaute. Logisch, dass es seit Jahren Brians Ziel ist, einmal an der Show teilzunehmen. Alles würde auch gut gehen, wäre da nicht Alice, die es ebenfalls ins Team schafft…

Wunderbar detailliert, sehr gut beobachtet und mit sehr viel Witz und Selbstironie zeichnet Nicholls die Probleme eines Heranwachsenden nach, der sich mit Unibeginn auch endlich als Erwachsener finden will: Klassik-Konzerte besuchen, Nächte durchdiskutieren, sein Sexualleben aufpolieren, … Der Roman strotzt vor Situationskomik und -tragik zugleich, die einen im einen Moment aus vollem Herzen auflachen lassen, um dann im nächsten mit Jackson zu leiden – der Ich-Erzähler-Perspektive sei dank. Man möchte Jackson förmlich ins Gesicht schreien und sagen „Tu’s nicht“. Und es passiert doch.

Wie es der Verlag treffend beschreibt: Brian Jackson „verkörpert exemplarisch die Absurdität und Verletzlichkeit einer Zeit im Leben, in der fehlerhafte Selbsteinschätzung, tiefe Gefühle, zu viel Bier und zu wenig Geld in einer Mischung zusammentreffen, die notgedrungen auf Herzschmerz und Chaos hinauslaufen muss“.

Fazit: brilliant.

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Ein Gedanke zu „Der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit

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