Was esse ich?

„Tiere essen“ (Original: Eating Animals), Jonathan Safran Foer, 2010.

Dieses Buch braucht Zeit – vor allem zum Nachdenken über das Gelesene. Selten vermag ein Werk so sehr das eigene Leben beeinflussen, wie Jonathan Safran Foers Nachforschungen über die amerikanische Fleischindustrie.

Warum essen wir Rinder, Geflügel, Schweine und Fisch, würden aber nie unsere Hunde essen? Als werdender Vater beginnt Foer  zu hinterfragen, was er seinem Sohn mit gutem Gewissen zu essen geben kann. Sein sehr persönliches Streben und seine Suche nach einer für Foer befriedigenden Antwort führt den Autor in drei Jahren einmal quer durch die USA und die Geschichte der Fleischindustrie von der traditionellen, bäuerlichen Tierhaltung zur Massentierhaltung. Er sucht den Kontakt zu radikalen Gegner der Massentierhaltung,  Befürwortern, Konzernen, Arbeitern in Schlachthäusern und den Mastbetrieben, Landwirten, die ökologische Landwirtschaft betreiben, kleinen Familienfarmen, … Viele geben ihm Auskunft, viele, gerade seitens der Massentierhalter, verweigern sich ihm. Er gibt ihnen Raum sich zu äußern, zu erklären. Aber auch zahlreiche Untersuchungen und Statistiken zieht Foer zu Rate – und an allem lässt er den Leser teilhaben.

Aus moralischer, gesellschaftlicher, ökologischer und persönlicher Sicht beleuchtet Foer das Essverhalten seiner Landsleute.  Es sind seine gesammelten Erfahrungen – in der Familie, bei seinen Nachforschungen – die dazu führen, dass Foer sich für seine Familie für eine vegetarische Ernährung entscheidet. Aber diese Entscheidung muss nicht zwangsläufig auch die seiner Leser sein. Foers Ziel ist es uns die Informationen zur Hand zu geben, um eine informierte Entscheidung über unser persönliches Essverhalten zu fällen.  Auch wenn seine Suche sich größtenteils auf die Verhältnisse in Amerika bezieht, ähnle sich die Massentierhaltung in Europa, wie Foer im Vorwort zu den europäischen Ausgaben verdeutlicht.

„Tier essen“ argumentiert nicht unbedingt für den Vegetarismus, sondern viel mehr für ein besseres Verständnis, woher unser Fleisch stammt und welche Konsequenzen es für uns, die Tiere und die Umwelt hat. Und gegen die Massentierhaltung.

Fazit: Unbedingt lesenswert, auch wenn viele wohl erst dazu greifen, wenn sie ohnehin schon über ihre Ernährung nachdenken. Oder ein Safran Foer Fan ist.

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2 Gedanken zu „Was esse ich?

  1. Das Buch sollte Pflichtlektüre werden für jeden, der gedankenlos in die Kühltheke im Supermarkt greift. Karen Duves „Anständig essen“ gibt das deutsche Pendant dazu, wenn auch mit anderem Ansatz …

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