Und eben doch eine mögliche Liebe

„Wohin du auch gehst: Die Geschichte einer fast unmöglichen Liebe“, Benjamin Prüfer, 2009

Über Kambodscha wissen die wenigsten nicht viel mehr, als das es in Südostasien liegt und die Roten Khmer hier einst ein Terrorregime führten. Dies dürfte sich nach der Lektüre von Benjamin Prüfers autobiographischem Bericht ändern. Mit klaren, unverblümten Worten gewährt er dem Leser tiefe Einblicke in die „fast unmögliche Liebe“ zwischen ihm und der Kambodschanerin Sreykeo, die sich als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient. Und eben auch in die kambodschanische Kultur.

Der junge Journalist Prüfer ist auf Rucksacktour durch Asien. Letzte Station: Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas. In einer Disco trifft er Sreykeo. Die beiden verbringen die Nacht miteinander. Am nächsten Morgen bittet Sreykeo ihn um Geld. Prüfer hadert mit sich, weiß nicht, wie es mit ihm und Sreykeo weiter gehen soll. „Genau genommen war ich es ja, der sie zur Prostituierten machte“, spricht er seine Gedanken aus. Aber die beiden verlieben sich in einander, verbringen die restliche Zeit bis Prüfers Abreise nach Deutschland gemeinsam in der kleinen Wohnung ihrer Familie sowie in dem Dorf ihrer Kindheit- weit ab vom Backpacker-Land, wie es Prüfer beschreibt. Denn auch wenn die Backpacker nach dem wahren Leben in einem fremden Land suchen, bleiben sie doch unter sich.

Zurück in Deutschland versucht Benjamin Prüfer die Beziehung am Leben zu erhalten, schickt Sreykeo Geld, welches er nicht hat, damit sie sich nicht mehr prostituieren muss. Aber es reicht nicht, Sreykeo geht wieder anschaffen. An Weihnachten macht er daher mit ihr Schluss, er verspricht ihr jedoch ihr weiterhin zu helfen. Die Trennung ist allerdings nur von kurzer Dauer. Die beiden kommen wieder zusammen. Dann kommt die bittere Diagnose: Sreykeo ist HIV positiv.

Prüfer stellt sich mutig seiner Verantwortung: Er macht sich von Deutschland aus, aber auch vor Ort, auf die Suche nach geeigneten Medikamenten und Behandlungen und bringt sein Leben in Deutschland wieder auf die Reihe.

Diese Liebesgeschichte mit Happy End – mittlerweile haben die beiden eine kleine Familie gegründet und leben in Deutschland – ist weit mehr als nur der Kampf um eine Liebe zwischen zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit einer grausamen Krankheit. Es ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Prüfer wandelt sich vom suchenden jungen Mann, der gerne etwas in den Tag zu leben scheint, zu jemandem der Entscheidungen trifft, Verantwortung für eine Familie übernimmt, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Fazit: absolut lesenswert.

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