Legendenwerdung

„Die Legende der Wächter: Die Entführung“ (Original: Guardians of Ga’Hoole: The Capture), Kathryn Lasky, 2010.

Eine Fantasyroman-Reihe über Eulen: eine ungewöhnliche Idee, die Kathryn Lasky wundervoll und detailreich umgesetzt hat. „Die Entführung“ ist der erste Band in der 14-teiligen Reihe.

Soren, ein drei Wochen alter Schleiereulerich, lebt mit seinen Eltern Noctus und Marella sowie seinen Geschwistern Kludd und Eglantine in Tyto, einem Eulenkönigreich. Als die Eltern zur Jagd sind, passiert das unglaublich. Kludd schubst seinen kleinen Bruder aus dem Nest (Warum wird in den folgenden Bänden noch geklärt). Bevor das Kindermädchen Mrs. Plithiver, eine Blindschlange, Rettung holen kann, wird Soren von einer anderen Eule davon getragen. Die kleine Eule findet sich in St. Ägolius, einem Waisenhaus, wieder. Eulenkinder aller Arten werden von den St. Ägolius-Eulen in den zahlreichen Königreichen eingesammelt bzw. aus dem Nest gestohlen. Statt Namen erhalten die kleinen Eulen Nummern. Durch Schlafen und Marschieren unter dem Vollmond wird ihr Wille gebrochen. Sie werden mond-wirr, vergessen ihre kurze Vergangenheit. Aber Soren schafft es sich dieser Gehirnwäsche zu entziehen. Dank der kleinen Elfenkäuzin Gylfie und seinem Glauben an die Legenden der Wächter, der Eulen von Ga’Hoole. Zusammen planen sie die Flucht aus den Schluchten des Waisenhauses – nicht ohne vorher noch etwas über die Absichten der bösen Eulen in Erfahrung zu bringen.

Die Charaktere sind vielleicht nicht sehr vielschichtig, aber umso liebenswerter. Man fiebert mit den beiden Eulenküken, begleitet sie durch St. Ägolius, das durch Laskys sehr guten Beschreibungen vor dem inneren Auge entsteht, und drückt die Daumen, dass sie nicht entdeckt werden. Das Buch wegzulegen fällt schwer.

Lasky hat aber nicht einfach eine Geschichte über Eulen geschrieben, die sehr menschliche Züge tragen, sondern sehr viel Wissen über Eulen eingeflochten. Schließlich plante sie ein Sachbuch über Eulen zu verfassen. Der Leser lernt zahlreiche Eulenarten kennen, die detailliert beschrieben werden, erfährt etwas über ihre Wachstumsstadien, ihre Federn, ihre Nahrung und – damit verbunden – auch ihren Verdauungstrakt. Nach der Lektüre dieser wunderbaren Geschichte weiß man dann eben auch wie eine Schleiereule, ein Bartkauz oder auch ein Elfenkauz ausschaut. Wo sonst lernt man so spielerisch etwas über Eulen?

Fazit: Ein Jugendbuch, das auch Erwachsene mögen werden. Wer es liest, denkt sicherlich nicht, er hätte es umsonst getan.

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