Fünf Nachtstücke

„Bei Anbruch der Nacht“ (Original: Nocturnes. Five Stories of Music and Nightfall), Kazuo Ishiguro, 2009

Fünf Geschichten, fünf verschiedene Erzähler, fünf verschiedene Orte – und doch eine Gemeinsamkeit. Die Musik spielt in Kazuo Ishiguros Kurzgeschichtenband „Bei Anbruch der Nacht“ eine entscheidende Rolle, die Menschen zusammen bringt und wieder trennt.  Vier der Erzähler sind selbst Musiker, die Musik verbindet die Protagonisten, sie lässt sie in Erinnerungen schwelgen, neue Wege für die Zukunft einschlagen, sie verändert sie.

Restaurantmusiker Janek trifft den Musiker seiner Kindheit, Toni Gardner, ein alternder Crooner, der mit seiner Frau ein letztes Mal nach Venedig gefahren ist. Ein Abschiedsgeschenk, denn nach der Reise werden die beiden sich trennen, obwohl sie sich immer noch lieben. Ein letztes Mal singt er mit Janeks Unterstützung für seine große Liebe, bevor er sie für die Rückkehr auf die große Bühne, für sein Coming back frei gibt.

Der Leser trifft in London auf Ray, Charlie und dessen Frau Emily, die sich seit Collegezeiten kennen. Aus Angst seine Ehe könnte vorbei sein, da er nicht ambitioniert genug ist, bittet Charlie Ray, der in seinem Leben noch nicht viel erreicht hat, ihm zu helfen.

In Malvern Hills trifft ein junge Musiker, der im Sommer seiner Schwester in ihrem Restaurant aushilft, auf Sonja und Tilo. Ein erfolgreiches Musikerpaar, dass sich längst auseinander gelebt hat.

Für den erhofften musikalischen Durchbruch – oder doch für die Liebe zu seiner Frau – unterzieht sich ein armer Saxophonist einer Schönheitsoperation bei dem Schönheitschirurgen L. A. s. Überraschender Zimmernachbar: die frisch geschiedene Ehefrau von Toni Gardner.

Von L.A. geht es wieder zurück nach Italien, wieder eine Piazza in einem kleinen Ort. Einer Gruppe von Restaurantmusikern fällt Tibor, ein junger, armer Cellist, auf. Sie beschließen ihm zu helfen, ihm einen Job zu verschaffen. Doch dann lernt Tibor eine Amerikanerin kennen, die ihm versichert das Zeug zu einem Weltklasse-Cellisten zu haben. Als Virtuosin weiß sie schließlich, wovon sie spricht… Das hinterlässt Spuren in Tibors Verhalten.

„These Stories come up on you quietly, but then haunt you for days“, sagt David Sexton vom Evenig Standard über Ishiguros Kurzgeschichten. Und er hat tatsächlich recht. Kazuo Ishiguro hat fünf ruhige  Geschichten über die Liebe, die Musik und den Lauf der Zeit geschrieben. Aber in jeder Geschichte ist ein Punkt, der verstört, der einen noch mehrere Tage immer wieder fesselt und zum Nachdenken anregt. Auch wenn man manchmal nur darüber nachdenkt, was einem die Geschichte sagen möchte.

Fazit: Gut, wenn man es gelesen hat, man muss es aber nicht unbedingt.

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