6 Köpfe, 12 Blöcke: Mein Oktober-Block

Die Aufholjagd hat begonnen.

Nachdem ich voll Vorfreude und Elan ein paar schöne Stoffe für meinen Joseph’s Coat bestellt habe (irgendwie fand sich einfach nichts in meinem Fundus), lag das Nähen des Blocks erst einmal lange auf Eis. Die Wichtelwerkstatt erforderte meine Aufmerksamkeit. Aber diese Woche habe ich es endlich geschafft. Und ich bin sehr glücklich mit meinem Oktober.

Die Spitzen der Blätter sind nicht immer ganz gelungen, sie treffen auch nicht immer auf einander, aber das Gesamtergebnis überzeugt mich. Und ich liebe diese Stoffe. Vor allem der Zen-Hintergrund ist total meins. Daraus könnte ich mir auch gut eine Tasche oder gar ein Kleidungsstück vorstellen. Vielleicht ergibt sich ja nochmal die Möglichkeit. 🙂

Ich habe die Blätter nach der von Andrea beschrieben Methode mit den Freudenberg-Vlies genäht. Das Tutorial ist wirklich wieder wunderbar detailliert und nebenbei auch noch lehrreich. Allerdings habe ich mich gegen das Applizieren per Hand entschieden. Aus mehreren Gründen: Es hat mich abgeschreckt; ich hatte einfach gerade die Nase voll vom Nähen per Hand nachdem ich erst ganz viel mit der Hand vernäht habe an einem anderen Projekt; und ich wollte einfach fertig werden und den November angehen. Und auch wenn man es vernäht gar nicht mehr sieht, ich mag die Optik auf der linken Seite die durchs Maschinen-Applizieren entsteht.

Mein Jahres-Quilt nimmt immer mehr Formen an. Nun muss ich mich nur noch für ein Layout entscheiden. Es gibt ja so viele schöne Varianten. Aber bis zum einkuscheln darin dauert es wohl doch noch etwas.

(Beitrag ist verlinkt bei Rums und bei der Quiltmanufaktur.)

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Weihnachtskleid Sew Along 2017

Dieses Jahr gibt es wieder ein Weihnachtskleid. So. Habe ich jetzt einfach mal beschlossen. Während ich derzeit in der (Geburtstags-)Wichtelwerkstatt unterm Dach vor mich hinwerkle. (Einer der Gründe, warum es hier gerade so still ist…) Und beim Werkeln hat man ja auch mal Zeit die Gedanken schweifen zu lassen. Richtung Schnittmuster und Stoffe. Daher weiß ich auch schon genau, was es werden soll. Nur Details sind noch unklar.

Weihnachten soll bei uns zwar besonders, aber vor allem gemütlich werden. Außerdem mag ich es gerne kuschelig. Die Stoffwahl bewegt sich also allein deswegen zwischen Strickstoff und Sweat. In diesem Jahr hat der Sweat gewonnen – und er liegt sogar schon gewaschen in meinem Stoffregal: ein grauer Wintersweat mit bunten Sprenkeln. Und der Stoff ist so kuschelig. Freue mich schon richtig aufs tragen.

akhimo, Sweat für das Weihnachtskleid 2017, WKSA 2017

Ein Schnittmuster stand sogar schon vorher fest: Die Ronja von pattydoo gefällt mir sehr gut. Ich komme mit den Schnitten gut klar, sie sitzen und außer verlängern muss ich nichts ändern – bisher zumindest. (Toitoitoi, dass es so bleibt.) Allerdings möchte ich einen Stehkragen statt Kapuze haben und ich bin mir nicht sicher, ob ich es nun mit Taschen nähen soll oder nicht. Was meint ihr?

Nun muss ich nur noch die Zeit finden, das Schnittmuster zusammenzukleben. Und dann geht es weiter.

(Beitrag ist verlinkt beim WSKA 17 des Me Made Mittwoch.)

„A Monster Calls“ – Patrick Ness

Buchcover "A Monster Calls" von Patrick NessNach einer Idee von Siobhan Dowd, erschienen 2011.

Ein schönes, bemerkenswertes Buch in vielerlei Hinsicht. Nicht nur optisch ein wahrer Hingucker – Jim Kays Zeichnungen ziehen einen in den Bann, immer wieder entdeckt man etwas neues, die Geschichte wird wunderbar untermalt. Sondern auch inhaltlich einfach ein Buch, welches einen nicht so schnell verlässt – auch wenn der Lesegenuss an sich nicht viel länger als ein halber Tag ist. Es ist ein dünnes Buch, gerade einmal 205 Seiten – inklusive mehrerer doppelseitiger Zeichnungen.

Als die alte Eibe auf dem Friedhof hinter Conors Haus sich kurz nach Mitternacht in ein riesiges Monster verwandelt, bleibt der Junge ruhig. Es ist nicht das Monster, das er erwartet hat. Nicht das Monster aus seinem immer wiederkehrendem Alptraum, das er so sehr fürchtet und ihn jede Nacht seit seine Mutter mit der Chemo angefangen hat den Schlaf raubt. Dieses hingegen weckt – trotz seiner enormen Ausmaße, seiner finsteren Gesichtszüge, seiner ausstrahlenden Gefahr, seiner Ungezähmtheit – keine Angst in ihm. Und genau deswegen ist das Monster erschienen, das sich als ein uraltes Wesen vorstellt, der ewige Grüne Mann, der alles Unzähmbare und Wilde ist. Der gekommen ist, um Conor zu helfen. Obwohl er nur sehr selten zur Hilfe eilt. Er will die Wahrheit von Conor – die dieser nicht zu lassen kann.

Patrick Ness hat Siobhan Dowds Ideen für ihr fünftes Buch, welches sie leider durch ihren frühen Tod nicht vollenden konnte, genommen und ganz in ihrer Tradition weitergesponnen. Entstanden ist ein sehr empfehlenswertes literarischer Jugendbuch über Trauer, Verlust und den Umgang mit beidem. Es ist tiefgründig, zu Tränen rührend und verzaubert mit einfachen, aber dennoch vielschichtigen Sätzen und Bildern. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie ich mir besondere Sätze, die das Monster sagt, innerlich dick unterstrichen habe. Wie z.B. dieser: „Stories are the wildest things of all, the monster rumbled. Stories chase and bite and hunt.“ (S. 35) 

Es ist ohne Frage ein Werk für junge Leser. Der Protagonist ist ein dreizehnjähriger Junge. Aber nicht desto trotz ist ein lesenswertes Werk für alle. Denn die Themen und Wahrheiten, die Patrick Ness und auch Siobhan Dowd ansprechen, betreffen uns alle.

Fazit: 5 von 5 Sternen. Das Buch tut einfach gut. Trotz der Thematik, gerade durch die daraus gewonnen Kraft.

 

Eine Chloe ohne Falten

Schon lange lag noch ein großer Rest eines schwarzen welligen, aus zwei Schichten bestehenden Jerseys (der genauer Name fällt mir nicht ein) von Lillestoff in meinem Stoffregal, der auf Verarbeitung wartet. Da die daraus genähte „My Cuddle Me“-Jacke eines meiner liebsten Kleidungsstücke ist, dachte ich mir, das ein Kleid daraus auch sehr gemütlich wäre. Und das ist es auch – trotz des etwas mühseligen und nicht an Flüchen armen Weges dorthin.

Weil mir meine erste Chloe nach dem Schnittmuster von pattydoo so gut gefällt, habe ich mich für diesen Schnitt entschieden – auch da er ja für Sweat konzipiert ist und daher mit dem dickeren Jersey gut klarkommen sollte. Allerdings wollte ich den Schnitt etwas abändern. Der Rock sollte gerne etwas enger und daher habe ich die Falten im Schnittmuster weggeknickt und erst dann zugeschnitten. So ist der Rockteil nun faltenlos, hat aber immer noch eine leichte Tulpenform, was mir sehr gut gefällt.

Die Schnittänderungen haben mir keine Schwierigkeiten bereitet, allerdings die Dehnbarkeit des Stoffes. Während das Oberteil ohne große Probleme zusammen gefunden hat, hat sich der Rockteil leider ganz schön verzogen und an den Seitennähten unschöne Falten geworfen. Bügeln mit viel Dampf hat leider nicht den gewünschten Effekt gebracht. Also musste ich nochmal ran. Zunächst habe ich die Taschen aus der Seitennaht rausgetrennt und unabhängig von der Tasche geschlossen, was schon etwas im Fall gebracht hat. (Nun kann man die Taschen sogar rausdrücken.) Dann habe ich noch einmal an der Kurvenform der Seiten gearbeitet und diese etwas sanfter gezogen. Immer noch nicht ganz gut, aber immerhin. Und dann habe ich beschlossen, nun wird das Kleid doch noch einmal gewaschen. Und siehe da, es hat fast alle meine Probleme mit dem Fall des Rocks beseitigt. Muss ich doch keinen neuen Rock nähen. Vor der Entscheidung stand ich nämlich schon kurz. Durch das Waschen haben sich die Wellen des Stoffes anscheinend wieder zusammengezogen, während ich sie beim Bügeln wohl eher zu sehr geplättet habe.

Obwohl es eher ein Herbst-/Winterkleid ist, habe ich mich trotzdem für kurze Ärmel entschieden. Ich denke, so ist das Kleid wandelbarer. So kann ich durch ein Langarm-Shirt ebenso wie durch eine Strickjacke Farbe ins Spiel bringen und das Zwiebelsystem ist auch wunderbar möglich.  Auf das Gummiband an der Rückennaht habe ich verzichtet. Die Säume sind übrigens alle einfach mit einem kleinen Zickzack-Stich gearbeitet. Hatte einfach keine Lust noch die Zwillingsnadel einzusetzen nach all den Problemen und wollte nur noch fertig werden. 🙂

(Beitrag ist verlinkt beim Me Made Mittwoch.)

 

„Daughters of the Dragon“ – William Andrews

Buchcover "Daughters of the Dragon - A Comfort Woman's Story" von William AndrewsErschienen 2016.

Nach all den Fantasy- und Fortsetzungsroman der letzten Zeit brauchte ich mal wieder was anderes. Gern etwas historisches aus der jüngeren Vergangenheit. Meine Wahl fiel eher zufällig auf William Andrews „Daugthers of the Dragon“, die fiktive Geschichte einer Trostfrau während der japanischen Besetzung Koreas und weiter Teile Asiens im Zweiten Weltkrieg.

Die junge Amerikanerin Anna Carlson macht sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern in Korea. Ihre Mutter findet sie nicht, allerdings ihre Großmutter Hong Jae-hee, die ihr ihre schockierende Lebensgeschichte erzählt. Mit 14 Jahren wird sie von den Japanern verschleppt und muss bis zum Ende des Krieges als eine Trostfrau, einer Sexsklavin, für die Soldaten in Dongfeng dienen. Nur mit viel Glück entkommt sie ihrer Ermordung bevor die Russen den Ort einnehmen. Beschämt über ihre tausendfache Vergewaltigung und Misshandlung durch die japanischen Besatzer flieht sie in ihre Heimat nördlich von Pjöngjang in der Hoffnung ihre Eltern lebend zu finden. Vergeblich. Fortan bemüht sie sich ihre Vergangenheit für sich zu behalten, aus Angst vor Repressalien und aus Scham. Ein gutes Ohr für Sprachen habend, lernt sie schnell Englisch und arbeitet als Übersetzerin für den kommunistischen Norden. Sie flieht in den Süden, nachdem ihr Geliebter verschleppt wird und die Unterdrückung aller Andersdenkenden immer weiter zunimmt. Als sie scheinbar endlich dem Elend nach dem Bürgerkrieg entkommt, erkennt sie, dass sie nicht länger über ihre Vergangenheit als Trostfrau schweigen kann – und ein langer Weg um Anerkennung beginnt.

Andrews Charaktere sind zwar fiktiv, der Handlung einiges an Spannung durch einen geheimnisvollen Kamm, einem Familienerbstück, hinzugegeben, aber die Tatsache der Trostfrauen und der Kampf für die Anerkennung der Gräueltaten, die ihnen angetan wurden, sind real. Erst nach Jahrzehnten konnten sie in ihrer Heimat offen über den ihnen angetanen Vergewaltigungen sprechen und tragen mittlerweile den Ehrentitel Großmutter. Auf eine offizielle Entschuldigung und Entschädigung warteten die Frauen weitere Jahrzehnte: Im Dezember 2015 gab es ein Abkommen zwischen Südkorea und Japan, dass den Streit endgültig beenden sollte.

Ein Amerikaner, der über ein koreanisches Leben schreibt, dazu noch das einer Frau, wirkte auf mich im ersten Moment etwas befremdlich, aber die Geschichte ist sehr gut recherchiert und detailliert. Seit der Adoption seiner Tochter interessiert sich Andrews für koreanische Geschichte, was man zumindest als Außenstehender merkt. Und das ein Mann „Daughters of the Dragon“ geschrieben hat, habe ich im Laufe des Lesens wirklich voll und ganz vergessen. Der Schreibstil ist zwar nicht preisverdächtig, aber Andrews schafft es dennoch den Leser ganz langsam in diese brutale und schockierende Lebensgeschichte hinzuziehen. Hat einen erst einmal der Bann erwischt, dann lässt sich „Daugthers of the Dragon“ nur noch sehr schwer weglegen.

Fazit: 4,5 von 5 Sternen. Einfach lesenswert um der Geschichte Willen. Damit es nicht vergessen wird.